Wasserstoff gilt in Sachsen als wichtiger Baustein für die Energiewende und den Umbau der Industrie. Dabei setzt der Freistaat nicht darauf, Wasserstoff möglichst breit in allen Bereichen einzusetzen. Im Mittelpunkt stehen vor allem Anwendungen, die sich nur schwer direkt elektrifizieren lassen – etwa Teile der Industrie, bestimmte Verkehrssegmente sowie perspektivisch die Energieversorgung.

Die strategische Grundlage bildet die Sächsische Wasserstoffstrategie von 2022. Ihr Ziel ist es, bis 2030 eine leistungsfähige Wasserstoffwirtschaft entlang möglichst großer Teile der Wertschöpfungskette aufzubauen – von Forschung und Anlagenbau über Erzeugung und Transport bis zur industriellen Nutzung.

Sachsen setzt auf die gesamte Wertschöpfungskette

Ein Vorteil des Standorts ist die bereits vorhandene Industrie- und Forschungslandschaft. Sachsen verfügt über Kompetenzen im Maschinen- und Anlagenbau, bei Brennstoffzellen, Elektrolyseuren, Speichertechnik und industriellen Fertigungsverfahren.

Ein besonders bekanntes Beispiel ist Sunfire in Dresden. Das Unternehmen entwickelt Elektrolyseure zur Herstellung von grünem Wasserstoff und stellte 2026 ein neues 50-Megawatt-Elektrolysesystem vor, das für Großprojekte im dreistelligen Megawattbereich ausgelegt ist. Damit zeigt sich ein zentrales Ziel der sächsischen Politik: Wasserstoff soll nicht nur verbraucht werden – ein möglichst großer Teil der dafür benötigten Technologie soll auch im Freistaat entwickelt und produziert werden.

Auch der Wasserstoff-Technologiecluster HZwo hat sich zu einem wichtigen Netzwerk entwickelt. Er verbindet Unternehmen, Forschungseinrichtungen und öffentliche Akteure und soll dazu beitragen, neue Produkte schneller von der Forschung in die industrielle Fertigung zu bringen.

Chemnitz wird zum Wasserstoff-Schwerpunkt

Besonders stark konzentriert sich die Entwicklung derzeit auf Chemnitz. Dort entsteht mit dem Hydrogen Innovation Center (HIC) eines der wichtigsten deutschen Entwicklungs- und Testzentren für Wasserstofftechnologien.

Das HIC soll Unternehmen Flächen und Anlagen für Forschung, Erprobung, Zertifizierung und Technologietransfer bieten. Vor allem kleine und mittelständische Betriebe sollen dort neue Brennstoffzellen-, Elektrolyse- und Wasserstoffsysteme unter realistischen Bedingungen testen können. Bund und Freistaat unterstützen das Zentrum mit rund 84,4 Millionen Euro.

Parallel entsteht am Chemnitzer Wasserstoffcampus eine eigene Versorgung. 2026 wurden Fördermittel für einen zunächst 240 Kilowatt starken Elektrolyseur sowie einen Wasserstoffspeicher bewilligt. Eine bestehende Gasleitung soll auf einer Länge von rund 550 Metern auf Wasserstoff umgestellt werden. Die Elektrolyseleistung kann bei steigendem Bedarf perspektivisch auf etwa zwei Megawatt erweitert werden.

Chemnitz bereitet zudem seine Anbindung an das überregionale Wasserstoffnetz vor. Dafür wurden im Juni 2026 weitere Fördermittel bereitgestellt, mit denen bestehende Gasleitungen umgerüstet und neue Wasserstoffleitungen vorbereitet werden sollen.

Das Wasserstoff-Kernnetz wird entscheidend

Für den wirtschaftlichen Einsatz von Wasserstoff ist die Infrastruktur eine der wichtigsten Voraussetzungen. Deutschland baut deshalb ein bundesweites Wasserstoff-Kernnetz auf.

Das 2024 genehmigte Ausgangsnetz umfasst rund 9.040 Kilometer und soll im Wesentlichen bis 2032 entstehen. In Sachsen sollen insbesondere die Räume Dresden, Leipzig, Zwickau, die Lausitz und der Meißner Industriebogen früh angebunden werden. Für Chemnitz und Südwestsachsen werden ergänzende Anschlüsse vorbereitet.

2026 wurde die Netzentwicklungsplanung bereits weitergeführt. Der aktuelle Ausbauvorschlag sieht bis 2037 bundesweit rund 9.241 Kilometer Wasserstoffleitungen vor. Ein großer Teil soll aus bestehenden Erdgasleitungen hervorgehen, die für Wasserstoff umgerüstet werden.

Für Sachsen ist dieser Anschluss besonders wichtig. Größere Industrieunternehmen werden Wasserstoff auf Dauer kaum ausschließlich vor Ort produzieren können. Der Freistaat wird daher sowohl auf eigene Erzeugung als auch auf Wasserstoffimporte angewiesen sein.

Wo soll Wasserstoff eingesetzt werden?

Eine besonders wichtige Rolle sieht Sachsen in der Industrie. Denkbar ist Wasserstoff beispielsweise für Prozesse, bei denen sehr hohe Temperaturen benötigt werden oder fossile Rohstoffe nicht einfach durch Strom ersetzt werden können.

Dazu gehören je nach Produktionsverfahren Teile der Metall-, Chemie-, Glas-, Keramik- und Grundstoffindustrie. Auch der Meißner Industriebogen gilt deshalb als wichtiges Gebiet für den künftigen Wasserstoffbedarf.

Im Verkehrsbereich konzentriert sich die Entwicklung zunehmend auf Anwendungen, bei denen batterieelektrische Systeme an Grenzen stoßen können. Das betrifft beispielsweise schwere Nutzfahrzeuge, Spezialfahrzeuge oder Anwendungen mit hohen Reichweiten und kurzen Betankungszeiten. Für klassische Pkw wird Wasserstoff dagegen voraussichtlich nur eine Nebenrolle spielen. Auch das HIC in Chemnitz richtet seine Forschungsarbeit stark auf solche spezialisierten Mobilitätsanwendungen aus.

Langfristig könnte Wasserstoff außerdem für flexible Kraftwerke und Energiespeicher interessant werden, um die schwankende Stromerzeugung aus Wind- und Solarenergie auszugleichen.

Forschung bleibt eine große Stärke

Sachsen besitzt eine ungewöhnlich breite Forschungslandschaft rund um Wasserstoff. In Dresden liegen Schwerpunkte unter anderem bei Elektrolyseuren, Brennstoffzellen und Speichertechnologien. In Chemnitz beschäftigen sich Hochschulen und Fraunhofer-Institute intensiv mit Fertigungstechnologien für Brennstoffzellen und Elektrolyseure.

Das Fraunhofer IWU arbeitet beispielsweise daran, Produktionsverfahren zu automatisieren und eine industrielle Serienfertigung wirtschaftlicher zu machen. 2026 wurde außerdem die Testplattform HyVentus weiter ausgebaut, auf der Wasserstoffkomponenten unter praxisnahen Bedingungen geprüft werden können.

In Leipzig wird unter anderem an Wasserstofferzeugung, Speicherung und Anwendungen für die chemische Industrie geforscht. In Görlitz wiederum entstand mit dem Hydrogen Lab Görlitz eine Forschungsplattform, die Erzeugung, Speicherung und Nutzung von grünem Wasserstoff zusammenführt.

Der Markthochlauf verläuft langsamer als zunächst erwartet

Trotz der zahlreichen Projekte befindet sich die Wasserstoffwirtschaft noch immer in einer frühen Phase. Der zweite Umsetzungsbericht zur sächsischen Wasserstoffstrategie stellte 2025 fest, dass der internationale Markthochlauf langsamer erfolgt als zeitweise erwartet. Gründe sind hohe Kosten, noch fehlende Leitungen, regulatorische Unsicherheiten und die Frage, wo langfristig ausreichend Nachfrage entstehen wird.

Das ist eine zentrale Herausforderung: Unternehmen investieren erst dann in wasserstoffbasierte Produktionsanlagen, wenn Versorgung und Preise ausreichend verlässlich sind. Gleichzeitig lohnt sich der Aufbau großer Produktions- und Transportanlagen nur, wenn genügend Abnehmer vorhanden sind.

Der Aufbau muss deshalb auf mehreren Ebenen gleichzeitig erfolgen. Hinzu kommt, dass grüner Wasserstoff viel erneuerbaren Strom benötigt. Der Ausbau von Wind- und Solarenergie sowie der Stromnetze bleibt deshalb eine Voraussetzung für eine funktionierende Wasserstoffwirtschaft.

Wo will Sachsen bis 2030 hin?

Das Ziel des Freistaats bleibt eine leistungsfähige Wasserstoffwirtschaft entlang der gesamten Wertschöpfungskette bis 2030. Die Kompetenzstelle Wasserstoff KH2 wurde deshalb Ende 2025 für eine weitere Phase beauftragt. Ihre Arbeit konzentriert sich künftig vor allem auf Infrastruktur, industrielle Nutzung, Industrialisierung der Wasserstofftechnologien sowie Anwendungen in Verkehr und Energiewirtschaft.

Dabei geht es zunehmend weniger um einzelne Demonstrationsprojekte und stärker um wirtschaftlich tragfähige Anwendungen.

Sachsen möchte insbesondere seine vorhandene Industrie nutzen: Maschinenbauer, Automobilzulieferer und andere Metallverarbeiter verfügen über Fertigungskompetenzen, die sich teilweise auf Elektrolyseure und Brennstoffzellensysteme übertragen lassen. Wasserstoffpolitik ist deshalb zugleich Industrie- und Strukturpolitik.

Eine frühere Studie des Freistaats bezifferte das Potenzial der Wasserstoffwirtschaft für 2030 auf bis zu 4.800 Arbeitsplätze und rund 1,7 Milliarden Euro Umsatz. Ob diese Größenordnung tatsächlich erreicht wird, hängt allerdings stark davon ab, wie schnell Infrastruktur, Nachfrage und wettbewerbsfähige Wasserstoffpreise entstehen.

Fazit

Sachsen verfügt über gute Voraussetzungen, um sich als Wasserstoff-Technologiestandort zu etablieren. Dresden steht unter anderem für Elektrolysetechnik, Chemnitz entwickelt sich mit dem Hydrogen Innovation Center zum Forschungs- und Testzentrum, während gleichzeitig der Anschluss wichtiger Industrieregionen an das bundesweite Wasserstoffnetz vorbereitet wird.

Die entscheidende Phase beginnt jedoch erst jetzt. Aus Forschungsprojekten müssen Serienprodukte werden, aus geplanten Leitungen eine tatsächlich verfügbare Infrastruktur und aus Pilotanlagen wirtschaftlich tragfähige Anwendungen.

Sachsens Ziel ist deshalb nicht, möglichst viel Wasserstoff einzusetzen. Entscheidend ist vielmehr, Wasserstoff dort verfügbar zu machen, wo Industrie und Verkehr ihn tatsächlich benötigen – und gleichzeitig möglichst viel der dazugehörigen Technologie und Wertschöpfung im Freistaat zu halten.

Hinweis: Dieser Text wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt und von der Redaktion geprüft.

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