Größe, Nutzung und wirtschaftliche Bedeutung

Sachsen verfügt über ein dichtes Netz an Talsperren, Speichern und Hochwasserrückhaltebecken. Viele der Anlagen liegen im Erzgebirge, Vogtland und in der Oberlausitz. Sie wurden keineswegs nur geschaffen, um große Wasserflächen aufzustauen: Talsperren sichern Trink- und Brauchwasser, schützen Städte vor Hochwasser, stabilisieren Flüsse während Trockenperioden und erzeugen teilweise Strom.

Einige haben zusätzlich eine erhebliche touristische Bedeutung. Während an Trinkwassertalsperren wie Eibenstock, Saidenbach oder Klingenberg das Baden verboten ist, haben sich Pöhl, Malter und Bautzen zu wichtigen Freizeit- und Urlaubsgebieten entwickelt.

Die Landestalsperrenverwaltung Sachsen betreut den Großteil der bedeutenden Anlagen. Allein ihre fünf regionalen Betriebe bewirtschaften zahlreiche Stauanlagen mit mehreren hundert Millionen Kubikmetern Stauraum.

Wichtige Talsperren in Sachsen im Vergleich

Die angegebenen Stauraumwerte beziehen sich auf den Gesamtstauraum beziehungsweise Stauraum der jeweiligen Hauptsperre. Je nach Betriebszustand ist nur ein Teil davon tatsächlich mit Wasser gefüllt.

Talsperre Region Gesamtstauraum Hauptnutzung Freizeit am Wasser Interessanter Fakt
Eibenstock Erzgebirge ca. 84 Mio. m³ Trinkwasser, Hochwasserschutz, Niedrigwasseraufhöhung, Energie Kein Baden oder Wassersport; Wandern möglich Größte Trinkwassertalsperre Sachsens
Pöhl Vogtland 72,13 Mio. m³ Hochwasserschutz, Niedrigwasseraufhöhung, Energie, Naherholung Baden, Segeln, Surfen, Camping, Schifffahrt Wird auch „Vogtländisches Meer“ genannt
Bautzen Oberlausitz 44,63 Mio. m³ Brauchwasser, Hochwasserschutz, Niedrigwasseraufhöhung, Energie Baden, Segeln, Rudern, Camping, Angeln Versorgt unter anderem das Kraftwerk Boxberg mit Wasser
Quitzdorf Oberlausitz 25,60 Mio. m³ Hochwasserschutz, Brauchwasser, Niedrigwasseraufhöhung, Fischerei Segeln, Camping, Angeln; wichtige Naturräume Mit rund 7,35 km² Sachsens flächenmäßig größte Talsperre
Saidenbach Mittleres Erzgebirge 23,84 Mio. m³ Trinkwasser, Hochwasserschutz, Niedrigwasseraufhöhung, Energie Kein Baden; Wandern und Radfahren in der Umgebung Wichtiger Bestandteil der Trinkwasserversorgung im Raum Chemnitz
Klingenberg Osterzgebirge 16,12 Mio. m³ Trinkwasser, Hochwasserschutz Kein Baden; beliebtes Wander- und Radgebiet Liefert Rohwasser unter anderem für das Wasserwerk Coschütz
Malter Osterzgebirge 9,86 Mio. m³ Hochwasserschutz, Brauchwasser, Energie, Naherholung Strandbäder, Camping, Paddeln, Rudern, Windsurfen Entstand auch als Reaktion auf das verheerende Hochwasser von 1897
Cranzahl Erzgebirge 3,24 Mio. m³ Trinkwasser, Hochwasserschutz, Niedrigwasseraufhöhung Kein Baden; Wandergebiet Liegt nahe Oberwiesenthal und dem Fichtelberggebiet
Carlsfeld Westerzgebirge 2,98 Mio. m³ Trinkwasser, Hochwasserschutz Kein Baden; Wandern, Radfahren und Langlauf Höchstgelegene Trinkwassertalsperre Deutschlands

Quellen für die technischen Daten: Landestalsperrenverwaltung Sachsen unter www.wasserwirtschaft.sachsen.de und www.ltv.sachsen.de

Eibenstock: Sachsens wichtigster Trinkwasserspeicher

Die Talsperre Eibenstock nimmt unter den sächsischen Anlagen eine Sonderstellung ein. Mit rund 84 Millionen Kubikmetern Gesamtstauraum ist sie die größte Trinkwassertalsperre des Freistaates. Sie versorgt insbesondere den Raum Chemnitz und Zwickau mit Rohwasser.

Pro Jahr können rund 42 Millionen Kubikmeter Rohwasser zur Trinkwasseraufbereitung abgegeben werden. Zusätzlich hält die Talsperre Wasser für den Hochwasserschutz zurück, stabilisiert bei Trockenheit den Abfluss der Zwickauer Mulde und dient der Energieerzeugung. (wasserwirtschaft.sachsen.de)

Aus Gründen des Trinkwasserschutzes sind Baden, Wassersport und Camping am Stausee nicht erlaubt. Die Umgebung ist jedoch ein beliebtes Wandergebiet.

Pöhl: Talsperre und touristischer Wirtschaftsfaktor

Ganz anders ist die Situation an der Talsperre Pöhl bei Plauen. Sie wurde von 1958 bis 1964 errichtet und besitzt einen Gesamtstauraum von 72,13 Millionen Kubikmetern.

Ursprünglich sollte sie vor allem Industriegebiete bis in den Raum Leipzig mit Brauchwasser versorgen. Diese Aufgabe verlor nach 1990 an Bedeutung. Heute stehen Hochwasserschutz, Niedrigwasseraufhöhung, Energieerzeugung und Naherholung im Vordergrund. (wasserwirtschaft.sachsen.de)

Campingplätze, Strandbereiche, Wassersport, Gastronomie, Ausflugsschifffahrt und weitere Freizeiteinrichtungen machen das „Vogtländische Meer“ zu einem erheblichen Wirtschaftsfaktor für die Region.

Bautzen: Wasser für Wirtschaft und Lausitzer Strukturwandel

Die Talsperre Bautzen zeigt besonders deutlich die industrielle Bedeutung sächsischer Talsperren.

Sie entstand zwischen 1968 und 1975 vor allem, um eine zuverlässige Brauchwasserversorgung für das Kraftwerk Boxberg zu gewährleisten. Heute erfüllt sie deutlich mehr Aufgaben: Hochwasserschutz, Niedrigwasseraufhöhung, Fischerei, Energiegewinnung, Tourismus und auch die Bereitstellung von Wasser für die Flutung ehemaliger Tagebaue gehören dazu.

Mit fast fünf Quadratkilometern Wasserfläche ist sie zugleich eine der größten Talsperren Sachsens.

Quitzdorf: die größte Wasserfläche

Bei der Frage nach Sachsens „größter Talsperre“ kommt es auf den Maßstab an.

Eibenstock besitzt den größten Speicher unter den Trinkwassertalsperren, während die Talsperre Quitzdorf bei Niesky mit etwa 7,35 Quadratkilometern die größte Wasserfläche aller sächsischen Talsperren aufweist. Sie ist allerdings relativ flach und fasst deshalb mit 25,60 Millionen Kubikmetern deutlich weniger Wasser als Eibenstock oder Pöhl. (wasserwirtschaft.sachsen.de)

Quitzdorf stabilisiert bei Trockenheit den Schwarzen Schöps und damit indirekt auch die Spree. Das Wasser kann außerdem für die Flutung ehemaliger Lausitzer Tagebaue genutzt werden.

Gleichzeitig besitzt der Stausee große Bedeutung für Fischerei, Naturschutz und Tourismus.

Saidenbach und Klingenberg: Wasser für die Großstädte

Mehrere Talsperren im Erzgebirge erfüllen eine Funktion, die Besucher auf den ersten Blick kaum wahrnehmen: Sie sichern die Wasserversorgung großer Ballungsräume.

Die Talsperre Saidenbach gehört zum Verbundsystem der Trinkwasserversorgung im Raum Chemnitz. Ihr Gesamtstauraum beträgt rund 23,84 Millionen Kubikmeter. Neben Trinkwasser dienen die Wasservorräte dem Hochwasserschutz, der Niedrigwasseraufhöhung und teilweise der Energiegewinnung.

Die Talsperre Klingenberg erfüllt eine ähnliche Funktion für den Großraum Dresden. Ihre Rohwasserabgabe ist unter anderem für die Wasserwerke Coschütz und Klingenberg vorgesehen. Sie besitzt rund 16,12 Millionen Kubikmeter Gesamtstauraum.

An beiden Trinkwassertalsperren sind Baden und Wassersport untersagt.

Malter: Hochwasserschutz trifft Freizeitwirtschaft

Die Talsperre Malter bei Dippoldiswalde entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach schweren Überschwemmungen im Weißeritztal.

Bis heute gehören Hochwasserschutz und Brauchwasserbereitstellung zu ihren Hauptaufgaben. Zusätzlich wird Strom erzeugt.

Weil die Talsperre nicht der Trinkwassergewinnung dient, konnte sich rund um den See eine ausgeprägte touristische Infrastruktur entwickeln. Drei Strandbäder, Campingplätze sowie Möglichkeiten zum Paddeln, Rudern und Windsurfen machen Malter zu einem wichtigen Naherholungsgebiet südlich von Dresden.

Carlsfeld: Trinkwasser auf mehr als 900 Metern Höhe

Eine der außergewöhnlichsten Anlagen steht im Westerzgebirge. Die Mauerkrone der Talsperre Carlsfeld liegt rund 905 Meter über dem Meeresspiegel. Damit ist sie nach Angaben der Landestalsperrenverwaltung die höchstgelegene Trinkwassertalsperre Deutschlands. (wasserwirtschaft.sachsen.de)

Das Wasser kann aufgrund der Höhenlage teilweise ohne Pumpenergie im natürlichen Gefälle in das Versorgungsgebiet gelangen. Rund 33.000 Menschen werden über das Wasserwerk Carlsfeld versorgt.

Warum Talsperren für Sachsens Wirtschaft wichtig sind

Der ökonomische Wert der Talsperren lässt sich nicht allein anhand erzeugter Kilowattstunden oder verkauften Trinkwassers messen.

Trinkwasserversorgung

Anlagen wie Eibenstock, Saidenbach, Klingenberg, Cranzahl und Carlsfeld liefern Rohwasser für Haushalte, Gewerbe und Industrie. Eine zuverlässige Wasserversorgung gehört zur grundlegenden Infrastruktur eines Wirtschaftsstandortes.

Besonders wichtig ist, dass Wasser über längere Zeit gespeichert werden kann. Damit können Talsperrensysteme auch trockene Monate ausgleichen.

Hochwasserschutz

Viele sächsische Talsperren halten bewusst Speicherraum frei, damit bei Starkregen große Wassermengen aufgenommen werden können.

Dadurch schützen sie Wohngebiete, Verkehrswege, Fabriken und andere Infrastruktur flussabwärts. Der wirtschaftliche Nutzen zeigt sich vor allem in den Schäden, die dadurch vermieden werden.

Wasser für Industrie und Energiewirtschaft

Historisch waren Talsperren häufig eng mit der Industrie verbunden.

Pöhl stellte Brauchwasser für Industriegebiete bereit. Bautzen und Quitzdorf entstanden unter anderem im Zusammenhang mit dem großen Wasserbedarf der Lausitzer Braunkohlenwirtschaft.

Auch während des Strukturwandels bleiben Wasserspeicher wichtig: Wasser wird beispielsweise für die Stabilisierung von Flüssen und teilweise für die Flutung ehemaliger Tagebaue benötigt.

Wasserkraft

An mehreren Talsperren wird die ohnehin notwendige Wasserabgabe zusätzlich zur Stromerzeugung genutzt.

Wasserkraft ist zwar gegenüber Wind- und Solarenergie mengenmäßig ein kleinerer Bestandteil der sächsischen Stromproduktion, bietet aber einen Vorteil: Die Energieerzeugung lässt sich teilweise gut mit den wasserwirtschaftlichen Aufgaben der Anlagen verbinden.

Tourismus und Freizeit

Pöhl, Malter, Bautzen und Quitzdorf sind zugleich Freizeitregionen.

Campingplätze, Gastronomie, Strandbäder, Bootsverleihe, Segelvereine, Ferienunterkünfte und Ausflugsschifffahrt sorgen für zusätzliche regionale Wertschöpfung.

Trinkwassertalsperren verfolgen dagegen ein anderes touristisches Konzept. Dort stehen Wandern, Radfahren und Naturerlebnis im Vordergrund, während Wassersport zum Schutz der Wasserqualität eingeschränkt oder verboten ist.

Talsperren werden bei Trockenheit wichtiger

Der Klimawandel verändert die Anforderungen an die Wasserwirtschaft.

Längere Trockenperioden können dazu führen, dass Flüsse weniger Wasser führen. Talsperren können dann gezielt Wasser abgeben und dadurch sogenannte Niedrigwasseraufhöhung betreiben.

Gleichzeitig müssen sie genügend freien Speicherraum für mögliche Starkregenereignisse bereithalten. Trinkwasser, Hochwasserschutz und Niedrigwasserregulierung können deshalb miteinander konkurrieren.

Die Steuerung der Anlagen erfolgt entsprechend laufend nach Wasserständen, Zuflüssen, Wetterprognosen und dem jeweiligen Betriebsplan. Aktuelle Füllstände veröffentlicht die Talsperrensteuerzentrale der Landestalsperrenverwaltung.

Fazit

Sachsens Talsperren sind weit mehr als künstliche Seen. Sie gehören zur kritischen Infrastruktur des Freistaates.

Die Talsperre Eibenstock ist mit rund 84 Millionen Kubikmetern der wichtigste große Trinkwasserspeicher. Pöhl verbindet Hochwasserschutz mit einer besonders starken touristischen Nutzung. Bautzen und Quitzdorf besitzen große Bedeutung für die Wasserwirtschaft der Lausitz, während Saidenbach und Klingenberg wesentlich zur Versorgung der Ballungsräume Chemnitz beziehungsweise Dresden beitragen.

Ihre wirtschaftliche Bedeutung reicht damit von der Trink- und Brauchwasserversorgung über Hochwasserschutz und Energiegewinnung bis zum Tourismus. Gerade angesichts häufiger Trockenperioden und extremer Niederschlagsereignisse dürfte die strategische Bedeutung der sächsischen Talsperren in Zukunft eher noch wachsen.

Hinweis: Dieser Text wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt und von der Redaktion geprüft.

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