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Traditionen zwischen Winter, Ostern und Erntezeit
Die sorbische Kultur gehört zu den besonderen kulturellen Traditionen Sachsens. Vor allem in der Oberlausitz rund um Bautzen, Kamenz und Hoyerswerda sind bis heute zahlreiche Bräuche lebendig, die über Generationen weitergegeben werden. Viele von ihnen folgen dem kirchlichen Jahreskreis, andere gehen auf ältere bäuerliche Traditionen zurück.
Vogelhochzeit, Osterreiten, kunstvoll verzierte Ostereier oder das Maibaumwerfen sind dabei weit mehr als touristische Veranstaltungen. Sie gehören für viele Sorben zum gesellschaftlichen Leben in Familien, Dörfern, Kirchengemeinden, Schulen und Vereinen. Die „gesellschaftlichen Bräuche und Feste der Lausitzer Sorben im Jahreslauf“ wurden deshalb 2014 in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen.
Dabei unterscheiden sich die Traditionen regional. Einige Bräuche werden sowohl in der sächsischen Oberlausitz als auch in der brandenburgischen Niederlausitz gepflegt, andere sind eng mit einzelnen katholischen oder evangelischen Regionen verbunden.
Sorbische Bräuche durch das Jahr
Der sorbische Festkalender beginnt bereits im Januar und reicht bis in die Weihnachtszeit. Zu den bekanntesten Traditionen gehören:
- Vogelhochzeit im Januar,
- Fastnachts- und Zamperbräuche im Winter,
- Ostereierverzieren und weitere Osterbräuche,
- Osterreiten am Ostersonntag,
- Hexenbrennen Ende April,
- Maibaumstellen und Maibaumwerfen,
- Fronleichnamsprozessionen,
- verschiedene Erntebräuche,
- Spinnstuben-Traditionen im Herbst und Winter,
- Bräuche rund um Barbara, Nikolaus und Weihnachten.
Das Sorbische Institut zählt darüber hinaus zahlreiche regional verbreitete Traditionen wie Johannisreiten, Hahnschlagen, Hahnrupfen, Stollenreiten, Ringreiten, Kirmes, Martinssingen oder das sorbische Christkind zum Brauchtum im Jahreslauf.
Januar: Vogelhochzeit – Ptači kwas
Einer der bekanntesten und zugleich familienfreundlichsten sorbischen Bräuche ist die Vogelhochzeit, auf Obersorbisch Ptači kwas. Sie wird traditionell am 25. Januar gefeiert.
Am Vorabend stellen Kinder einen Teller auf das Fensterbrett. Am nächsten Morgen sollen sich die Vögel für das Füttern im Winter bedanken. Auf den Tellern finden sich deshalb häufig Süßigkeiten sowie Gebäck in Form von Vögeln oder Nestern.
Der Brauch stammt ursprünglich aus der Oberlausitz und verbreitete sich später auch in der Niederlausitz. Seit den 1960er-Jahren gehört die Vogelhochzeit in vielen sorbischen Kindergärten und Schulen fest zum Jahresprogramm.
Besonders auffällig sind die kleinen Hochzeitsgesellschaften. Kinder verkleiden sich beispielsweise als Elster und Rabe oder tragen regionaltypische sorbische Hochzeitstrachten. Dazu kommen Lieder, Tänze und kleine Theateraufführungen.
Auch für Erwachsene gibt es Veranstaltungen zur Vogelhochzeit. Das Sorbische National-Ensemble greift den Brauch regelmäßig in Bühnenprogrammen auf.
Winter: Fastnacht, Zampern und Póstnicy
In der Zeit vor der Fastenzeit werden in verschiedenen Teilen der Lausitz Fastnachtsbräuche gepflegt.
Beim Zampern ziehen verkleidete Gruppen mit Musik von Haus zu Haus. Früher gehörten bestimmte Figuren fest dazu, beispielsweise Erbsstrohbär, Storch oder Schimmelreiter. In der Schleifer Region waren darüber hinaus Figuren wie Doppelmensch und Eierfrau verbreitet.
Die Bewohner geben traditionell Eier, Wurst oder andere Lebensmittel. Heute wird häufig auch Geld gesammelt. Als Gegenleistung wird getanzt, musiziert und gefeiert. Aus den gesammelten Gaben entwickelte sich das sogenannte Eieressen beziehungsweise ein gemeinsamer Tanzabend.
In der Niederlausitz gehört zudem der Zapust, der sorbisch-wendische Fastnachtsumzug, zu den bedeutendsten Veranstaltungen. Junge Frauen tragen dabei aufwendig gearbeitete Tanztrachten, während die Männer meist in schwarzem Anzug und Hut auftreten.
Die genaue Ausgestaltung der Fastnacht unterscheidet sich allerdings von Dorf zu Dorf.
Vor Ostern: Sorbische Ostereier
Kaum ein sorbisches Kulturgut ist außerhalb der Lausitz so bekannt wie das kunstvoll verzierte Osterei.
Sorbische Ostereier werden mit geometrischen Mustern, Pflanzenmotiven, Sonnenzeichen oder anderen Ornamenten gestaltet. Traditionell besitzen Formen und Farben teilweise symbolische Bedeutungen.
Mehrere Techniken haben sich erhalten:
- Wachsreservetechnik: Mit heißem Wachs werden Muster auf das Ei gebracht. Anschließend wird es gefärbt. Dieser Vorgang kann mehrfach mit unterschiedlichen Farben wiederholt werden.
- Wachsbossiertechnik: Farbige Wachstropfen werden direkt als erhabene Ornamente auf die Eierschale aufgetragen.
- Kratztechnik: Ein zunächst gefärbtes Ei erhält sein Muster, indem die Farbschicht mit einem feinen Werkzeug abgekratzt wird.
- Ätztechnik: Bestimmte Bereiche der Oberfläche werden mit einer Säure beziehungsweise einem Ätzmittel bearbeitet.
Die traditionellen Verziertechniken werden bis heute von Volkskünstlern vermittelt. Der Sorbische Ostereiermarkt in Bautzen gehört zu den bekannten Veranstaltungen rund um dieses Handwerk.
Historisch waren verzierte Eier wichtige Geschenke. Kinder und insbesondere Patenkinder erhielten sie zu Ostern. Sie konnten zudem als Geschenk für Bedienstete oder als Zeichen der Zuneigung zwischen jungen Menschen dienen.
Osterwaleien: Wettspiel mit Ostereiern
Zu den alten Osterbräuchen gehört das Waleien, ein Spiel mit verzierten Eiern.
Dabei werden Eier über eine schräge Bahn oder einen Hang gerollt. Ziel ist es je nach Spielvariante, andere Eier zu treffen oder bestimmte Punkte zu erreichen.
Das Waleien wird heute unter anderem bei Veranstaltungen und Ostermärkten demonstriert und bietet besonders Kindern eine Möglichkeit, sorbische Ostertraditionen spielerisch kennenzulernen.
Ostersingen
Das Ostersingen gehörte besonders bei evangelischen Sorben lange zu den wichtigen Traditionen der Passions- und Osterzeit.
Frauen beziehungsweise Mädchen sangen Passionslieder und später Auferstehungslieder. Die Singgemeinschaften gingen teilweise aus den früheren Spinnstuben hervor.
Bis in die 1950er- und 1960er-Jahre war der Brauch weit verbreitet. Heute wird er nur noch in einigen Regionen aktiv gepflegt oder wiederbelebt. Im Kirchspiel Schleife singen beispielsweise seit den 1990er-Jahren Frauen in Tracht in der Osternacht.
In katholisch-sorbischen Gemeinden rund um Wittichenau haben sich außerdem besondere Formen wie Kreuz-, Grab- und Auferstehungssingen erhalten.
Osterwasser holen
Eine weitere alte Tradition ist das Osterwasserholen.
Am Ostersonntag gehen Mädchen und junge Frauen noch vor Sonnenaufgang zu einer Quelle oder einem fließenden Gewässer. Das Wasser soll besondere Kraft besitzen und Schönheit, Gesundheit oder Fruchtbarkeit bringen.
Entscheidend ist dabei das Schweigen: Auf dem Hin- und Rückweg darf nach traditioneller Vorstellung nicht gesprochen werden. Wer doch redet, bringt lediglich sogenanntes „Plapperwasser“ nach Hause.
Früher wusch man sich mit dem Osterwasser oder besprengte damit auch das Vieh.
Der Brauch zeigt, wie eng christliche Ostertraditionen teilweise mit älteren Vorstellungen über Wasser, Fruchtbarkeit und den Neubeginn des Frühlings verbunden sind.
Ostersonntag: Sorbisches Osterreiten
Das Osterreiten gehört zu den eindrucksvollsten sorbischen Bräuchen überhaupt. Besonders im katholisch geprägten Gebiet zwischen Bautzen, Kamenz und Hoyerswerda ziehen die Prozessionen jedes Jahr zahlreiche Besucher an.
Am Ostersonntag machen sich mehrere Hundert festlich gekleidete Männer auf geschmückten Pferden auf den Weg. Sie tragen schwarze Gehrockkleidung und Zylinder. Während des Rittes beten und singen sie Kirchenlieder.
Ziel ist die Verkündigung der Auferstehung Christi. Die Prozessionen führen traditionell von einer Kirchengemeinde in eine benachbarte Gemeinde und wieder zurück.
Zu den bekannten Ausgangsorten gehören unter anderem Bautzen, Crostwitz, Panschwitz-Kuckau, Nebelschütz und Wittichenau.
Obwohl zahlreiche Zuschauer die Ritte besuchen, handelt es sich nicht in erster Linie um eine folkloristische Vorführung. Für die Teilnehmer ist das Osterreiten vor allem ein öffentliches Glaubensbekenntnis.
Osterfeuer und Osterschießen
Nicht alle Osterbräuche sind im gesamten sorbischen Siedlungsgebiet gleichermaßen verbreitet.
Osterfeuer spielen besonders in der Niederlausitz eine große Rolle. Dort werden in zahlreichen Orten in der Nacht zum Ostersonntag Feuer entzündet.
In Teilen der Oberlausitz ist dagegen das Osterschießen bekannt. Dabei werden durch unterschiedliche Techniken laute Knalle erzeugt.
Viele dieser Traditionen gehen wahrscheinlich auf ältere Vorstellungen zurück, wonach Lärm und Feuer den Winter beziehungsweise böse Kräfte vertreiben und den Frühling begrüßen sollten. Heute sind sie vielfach mit christlichen Osterfeiern verbunden.
30. April: Hexenbrennen
Am Abend vor dem 1. Mai lodern in vielen Orten der Lausitz große Feuer. Das Hexenbrennen gehört zu den besonders sichtbaren Frühlingsbräuchen.
Auf einem Holzstoß wird häufig eine symbolische Hexenfigur angebracht. Sobald es dunkel wird, wird das Feuer entzündet.
Heute steht vor allem das gemeinschaftliche Erlebnis im Mittelpunkt. Feuerwehren, Jugendclubs, Vereine und Dorfgemeinschaften organisieren vielerorts die Veranstaltungen.
Der Brauch ist allerdings nicht ausschließlich sorbisch. Ähnliche Walpurgis- und Frühlingsfeuer gibt es in zahlreichen Regionen Mitteleuropas. In der Lausitz gehört das Hexenbrennen dennoch fest zum regionalen Jahreskalender und wird auch innerhalb sorbischer Gemeinden gepflegt.
Mai: Maibaumstellen und Maibaumwerfen
Auch der Maibaum besitzt in vielen sorbischen Dörfern eine besondere Bedeutung.
Ein hoher Baumstamm wird entrindet, geschmückt und auf einem zentralen Platz aufgestellt. Häufig kümmern sich Jugendliche des Dorfes um Vorbereitung und Bewachung.
Denn traditionell versuchen Jugendliche aus Nachbarorten mitunter, den Maibaum zu stehlen oder zu beschädigen.
Einige Wochen später folgt das Maibaumwerfen. Dabei wird der Baum zeremoniell gefällt. Häufig begleiten Musik und Tanz das Ereignis.
Regional gibt es unterschiedliche Regeln. Mancherorts konkurrieren junge Männer darum, wer ein Stück des fallenden Baumes erhält oder symbolisch als Maikönig ausgezeichnet wird.
Fronleichnam: Festtrachten und katholischer Glaube
In den katholisch-sorbischen Gebieten gehört auch Fronleichnam zu den wichtigen Terminen des Jahres.
Prozessionen führen durch die Orte beziehungsweise rund um die Kirchen. Besonders auffällig sind die regionalen sorbischen Festtrachten.
Überhaupt sind Trachten eng mit den kirchlichen und gesellschaftlichen Festen verbunden. Frauen und Mädchen verschiedener Altersgruppen tragen sie beispielsweise zu kirchlichen Feiertagen, Hochzeiten, Taufen, Erstkommunion oder Firmung.
Die Trachten unterscheiden sich deutlich nach Region und Anlass. Das Ankleiden folgt teilweise strengen Regeln, und das Wissen darüber wird heute nur noch von einer vergleichsweise kleinen Zahl spezialisierter Schneiderinnen und Trachtenkundiger beherrscht.
Sommer: Johannisreiten
Zu den ungewöhnlichsten Traditionen der Lausitz zählt das Johannisreiten.
Besonders bekannt ist der Brauch aus der Niederlausitz. Mittelpunkt ist der „Johann“, ein junger Mann, der aufwendig mit Blättern und Blüten geschmückt wird und auf einem Pferd durch den Ort reitet.
Die übrigen Teilnehmer versuchen, Teile seines Pflanzenschmucks zu erlangen. Diesem wurde traditionell eine besondere Schutz- und Segenskraft zugeschrieben.
Der Brauch steht in Verbindung mit dem Johannistag am 24. Juni und enthält zahlreiche Elemente älterer Vegetations- und Fruchtbarkeitsrituale.
In Sachsen spielt das Johannisreiten eine wesentlich geringere Rolle als Osterreiten oder Vogelhochzeit, gehört aber zum gemeinsamen immateriellen Kulturerbe der Lausitzer Sorben.
Spätsommer und Herbst: Erntebräuche
Auch der Abschluss der Ernte wurde in sorbischen Dörfern traditionell gefeiert.
Besonders vielfältig sind die Erntebräuche in der Niederlausitz. Bekannt sind beispielsweise Hahnrupfen, Hahnschlagen, Stollenreiten und Ringreiten.
Viele dieser Wettbewerbe waren ursprünglich eng mit der dörflichen Jugend verbunden. Sie kombinierten Geschicklichkeit, Reiten, Musik, Tanz und gemeinschaftliches Feiern.
Heute haben sich die Abläufe teilweise verändert. Historisch problematische Bestandteile wurden vielerorts angepasst oder durch symbolische Varianten ersetzt.
Die Veranstaltungen sind dennoch wichtige Dorffeste geblieben und zeigen, wie bäuerliche Arbeitswelt und Brauchtum miteinander verbunden waren.
Herbst und Winter: die Spinte
Nach der Ernte begann früher die Zeit der Spinnstuben, sorbisch beziehungsweise regional als Spinte bezeichnet.
Unverheiratete Mädchen trafen sich abends, um gemeinsam Flachs beziehungsweise Garn zu verarbeiten. Die Spinnstube war jedoch weit mehr als nur ein Arbeitsplatz.
Hier wurden Lieder gelernt, Geschichten erzählt und Feste vorbereitet. Nach der Arbeit kamen häufig auch junge Männer hinzu.
Damit war die Spinte lange eine der wichtigsten sozialen Institutionen der Dorfjugend. Aus diesen Gemeinschaften wurden unter anderem Fastnacht, Ostersingen, Maibaumfeste und Erntebräuche organisiert.
Mit dem Ende der traditionellen Textilverarbeitung verlor die Spinnstube ihre ursprüngliche wirtschaftliche Funktion. In einigen Orten lebt sie jedoch als kultureller Treffpunkt weiter.
Dezember: Barbara und Nikolaus
Auch die Adventszeit kennt regionale sorbische Bräuche.
Am 4. Dezember, dem Barbaratag, werden in Teilen der Lausitz Traditionen rund um die heilige Barbara gepflegt. Wenige Tage später folgt der Nikolaustag.
Besonders interessant sind regionale Figuren, die nicht immer mit dem heute deutschlandweit bekannten rot gekleideten Nikolaus vergleichbar sind.
In manchen Gebieten erscheinen traditionelle Gestalten in besonderer Kleidung beziehungsweise Tracht. Die Bräuche können sich von Ort zu Ort deutlich unterscheiden.
Das sorbische Christkind
Eine der charakteristischsten Adventsfiguren ist das sorbische Christkind.
Die genaue Gestalt unterscheidet sich regional. Besonders bekannt sind Traditionen aus dem Schleifer Raum und der Niederlausitz.
Das Christkind trägt eine aufwendige Kleidung, deren Gesicht teilweise verhüllt ist. Es zieht durch den Ort, besucht Häuser und segnet Kinder beziehungsweise Bewohner.
Die Figur verkörpert damit weniger den modernen Weihnachtsmann als vielmehr eine ältere Segensgestalt.
Auch dieser Brauch zeigt, wie stark christliche Traditionen mit regionalen Vorstellungen und überlieferten Trachten verbunden sind.
Warum unterscheiden sich sorbische Bräuche von Ort zu Ort?
Von „den“ sorbischen Bräuchen zu sprechen, kann leicht darüber hinwegtäuschen, wie vielfältig die Lausitz ist.
Grundsätzlich wird zwischen Ober- und Niedersorben unterschieden. Obersorbisch wird vor allem in Sachsen gesprochen, Niedersorbisch hauptsächlich in Brandenburg.
Darüber hinaus bestehen selbst innerhalb der Oberlausitz erhebliche Unterschiede. Das katholische Kerngebiet rund um Crostwitz und Panschwitz-Kuckau besitzt andere Traditionen als die evangelisch geprägten Gebiete um Bautzen oder die Schleifer Region.
Auch die Trachten unterscheiden sich regional erheblich. Sie können beispielsweise erkennen lassen, aus welcher Gegend eine Trägerin stammt oder zu welchem Anlass die Kleidung getragen wird.
Brauchtum als lebendiges Kulturerbe
Entscheidend für den Erhalt der Traditionen ist, dass sie weiterhin aktiv praktiziert werden.
Familien, Dorfjugend, Kirchengemeinden, Schulen, Kindergärten, Kulturgruppen und Vereine übernehmen dabei wichtige Aufgaben. Institutionen wie die Domowina, das Sorbische National-Ensemble, das Sorbische Museum Bautzen und das Sorbische Kulturzentrum Schleife dokumentieren und vermitteln zusätzlich die Kultur.
Die Aufnahme der gesellschaftlichen Bräuche und Feste der Lausitzer Sorben in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes im Jahr 2014 würdigt deshalb nicht einzelne historische Veranstaltungen, sondern eine lebendige kulturelle Praxis.
Wo lassen sich sorbische Bräuche in Sachsen erleben?
Für Besucher ist vor allem die Region zwischen Bautzen, Kamenz, Hoyerswerda und Schleife interessant.
Zu Ostern bietet das katholisch-sorbische Gebiet rund um Crostwitz, Panschwitz-Kuckau und Nebelschütz besonders viele Möglichkeiten, traditionelle Veranstaltungen kennenzulernen.
In Bautzen gibt das Sorbische Museum auf der Ortenburg einen umfassenden Einblick in Geschichte und Kultur. Ein eigener Ausstellungsbereich beschäftigt sich mit Bräuchen im Jahres- und Lebenslauf sowie mit sorbischen Trachten.
Das Sorbische Kulturzentrum Schleife widmet sich wiederum den besonderen Traditionen des Schleifer Kirchspiels und besitzt unter anderem Sammlungen zu Trachten und sorbischen Ostereiern.
Wer Veranstaltungen besucht, sollte bedenken, dass insbesondere kirchliche Bräuche wie das Osterreiten keine touristischen Inszenierungen sind. Ein respektvoller Umgang mit Prozessionen, Gottesdiensten und Teilnehmern gehört deshalb selbstverständlich dazu.
Fazit
Sorbische Bräuche begleiten nahezu das gesamte Jahr. Von der Vogelhochzeit im Januar über die zahlreichen Ostertraditionen und das Maibaumfest bis zu Ernte- und Weihnachtsbräuchen reicht ein außergewöhnlich vielfältiger Festkalender.
Besonders eindrucksvoll ist, dass viele Traditionen bis heute nicht nur auf Bühnen oder in Museen gezeigt werden. Sie werden innerhalb von Familien, Dorfgemeinschaften, Kirchen, Schulen und Vereinen tatsächlich gelebt.
Für Sachsen besitzt dieses kulturelle Erbe eine besondere Bedeutung. Vor allem die Oberlausitz gehört zu den wenigen Regionen Deutschlands, in denen eine slawische Minderheit ihre Sprache, Trachten, religiösen Traditionen und regionalen Bräuche seit Jahrhunderten bewahrt hat.
Wer die sorbische Lausitz besucht, erlebt deshalb nicht einfach historische Folklore, sondern eine Kultur, die sich immer wieder verändert und dennoch eng mit den Traditionen früherer Generationen verbunden bleibt.
Hinweis: Dieser Text wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt und von der Redaktion geprüft.