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Fünf praktische Anwendungsfälle für Bitcoin, Ethereum und Co.
Es wird viel darüber diskutiert, wie Kryptowährungen im Vergleich zu anderen „Assets” am treffendsten eingeordnet werden können. Handelt es sich überhaupt um eine Währung? Sind Bitcoin, Ethereum und Co. Geld? Oder sind sie am ehesten mit einer Hochrisikoaktie zu vergleichen? Die Meinungen gehen stark auseinander, weshalb sich zur Beantwortung dieser Frage vor allem ein Blick auf die praktischen Anwendungsfälle der verschiedenen Krypto-Coins lohnt.
Globale Geldtransfers innerhalb von Sekunden
Einige Kryptowährungen haben einen klaren Anwendungsfall im internationalen Bankenwesen. Große Institutionen und Zahlungsdienstleister nutzen blockchainbasierte Lösungen und in einzelnen Fällen auch digitale Assets, ähnlich wie sogenannte Stablecoins, um Geldsummen innerhalb weniger Sekunden oder Minuten zu bewegen.
Ein bekanntes Beispiel hierfür ist XRP, herausgegeben von Ripple, das als Brückenwährung für grenzüberschreitende Zahlungen eingesetzt wird. Ripple erhielt am 12. Dezember 2025 zudem eine bedingte Genehmigung zur Gründung einer nationalen Trust Bank in den USA. Bei einer Brückenwährung dienen Coins wie XRP nicht als Währung, in der der Empfänger am Ende ausgezahlt wird.
Stattdessen wird der Betrag zunächst aus der Ausgangswährung in XRP umgewandelt, dann über das Netzwerk übertragen und anschließend direkt wieder in die Ziel-Währung, bspw. Euro oder US-Dollar zurückgetauscht. XRP fungiert in diesem Ablauf also nur als kurzfristige Zwischenstufe zwischen zwei staatlichen Währungen.
XRP gilt als die wohl bekannteste Brückenwährung im Krypto-Bereich. Ein ähnliches, wenn auch global weniger genutztes Asset ist insbesondere Stellar (XLM). Eine alternative zu diesen Coins, die aufgrund ihrer potenziell hohen Volatilität auch Risiken bergen, gibt es die sogenannten Stablecoins.
Diese sind zwar ebenfalls blockchain-basiert, aber an eine reale Fiat-Währung gekoppelt. Der Stablecoin USDT beispielsweise ist daher bezogen auf den Wechselkurs mit einer anderen Währung immer genauso viel wert wie der echte US-Dollar (USD). Wie schnell eine Transaktion von USDT wirklich abläuft, hängt aber vom gewählten Netzwerk und seiner Auslastung ab.
Kryptowährungen im iGaming-Bereich
Während Institutionen Kryptowährungen in erster Linie für größere Geld- oder Währungs-Transfers nutzen, gibt es auch diverse Anwendungsbereiche für den normalen Bürger. Sehr weit verbreitet sind Kryptowährungen mittlerweile für Zahlungen im iGaming-Bereich.
Gerade in den Bereichen Online-Games, eSport oder Glücksspiel gibt es viele Betreiber, die Kryptowährungen als Zahlungsmittel akzeptieren. Beispiele hierfür finden sich im XboxUser guide, wo es um Portale mit hohen Auszahlungsquoten geht. Kryptowährungen werden im iGaming im Grunde aus dem gleichen Grund zunehmend beliebter wie im Bankenwesen.
Sie sind deutlich schneller und häufig auch um einiges kostengünstiger als gewöhnliche Überweisungen per Banktransfer, Kreditkarte oder E-Wallet. Was die Gebühren betrifft, kommt es jedoch sehr stark auf die gewählte Kryptowährung an. Bei Zahlungen mit Bitcoin beispielsweise bestimmte die aktuelle Netzwerkauslastung den Preis eines Transfers.
Bei Ethereum hingegen fallen so genannte Gas-Gebühren an, auch wenn diese nichts mit echtem Gas zu tun haben. Darüber hinaus spielt es auch eine Rolle, von welcher Börse oder von welchem Wallet aus man eine Krypto-Transaktion durchführt.
Online-Marktplätze mit Bitcoin-Spezialisierung
Kryptowährungen wie Bitcoin können online nicht nur gegen andere digitale Werte wie in Videospielen oder Glücksspielen getauscht werden, sondern auch zum Erwerb physischer Dinge genutzt werden. Es gibt mittlerweile sogar spezielle Plattformen, auf denen User ähnlich wie bei Ebay neue oder gebrauchte Dinge verkaufen können und dabei ausschließlich Bitcoin erhalten oder für Zahlungen nutzen.
Auf solchen Plattformen wird Bitcoin also praktisch exakt in der Funktion genutzt, wie man den Euro für Online-Käufe nutzt. Allerdings laufen die Zahlungen nicht über einen externen Dienstleister, sondern so wie im ursprünglichen Bitcoin-Whitepaper vorgesehen Peer-to-Peer, also tatsächlich von einer natürlichen Person zu einer anderen natürlichen Person.
Um also solche Sachkäufe mit Bitcoin zu tätigen benötigt man entweder ein aktives Konto bei einer Kryptobörse oder seine eigene Wallet, auf der sich Bitcoin oder Bitcoin-Bruchstücke, sogenannte Satoshis, befinden. Man erhält dann eine Bitcoin-Empfangsadresse des Verkäufers und kann nun eigenständig die Transaktion über die Blockchain durchführen.
Kryptowährungen für Dienstleistungen und Freelancing
Neben klassischen Überweisungen oder Plattformzahlungen werden Kryptowährungen zunehmend auch für die Bezahlung von Dienstleistungen genutzt. Gerade im internationalen Freelancing-Bereich spielen sie eine wachsende Rolle. Entwickler, Designer oder Texter arbeiten häufig für Auftraggeber aus anderen Ländern und erhalten ihre Vergütung direkt in Bitcoin, Ethereum oder anderen Kryptowährungen.
Der Ablauf unterscheidet sich dabei grundlegend von klassischen Banküberweisungen. Statt einer IBAN oder eines Kontos bei einer bestimmten Bank wird lediglich eine Wallet-Adresse benötigt. Diese dient als Empfangsadresse für die Zahlung. Der Auftraggeber kann den vereinbarten Betrag anschließend direkt über die Blockchain übertragen, ohne dass ein externer Zahlungsdienstleister zwischengeschaltet ist.
Gerade bei internationaler Zusammenarbeit ist das relevant, da keine Umwege über verschiedene Bankensysteme notwendig sind. Der Betrag wird in der vereinbarten Kryptowährung verschickt und nach Bestätigung der Transaktion direkt dem Wallet des Empfängers gutgeschrieben.
Währungsumrechnungen oder zusätzliche Zwischenstellen entfallen in diesem Modell vollständig. In der Praxis wird dieses Vorgehen bereits von vielen Freelancern genutzt, insbesondere in digitalen Branchen wie Softwareentwicklung, Grafikdesign oder Content-Erstellung.
Auch Plattformen und Marktplätze für Dienstleistungen ermöglichen teilweise bereits die Abwicklung über Kryptowährungen. Dadurch entsteht eine direkte Zahlungsbeziehung zwischen Auftraggeber und Dienstleister, die unabhängig von klassischen Finanzstrukturen funktioniert.
Alltagskäufe mit Bitcoin am Beispiel El Salvador
Dass Bitcoin und in Zukunft vielleicht auch andere Kryptowährungen tatsächlich wie digitales Bargeld funktionieren können, zeigt sich allen voran am Beispiel von El Salvador. In Orten wie El Zonte, bekannt geworden als Bitcoin Beach, ist eine echte Kreislaufwirtschaft rund um Bitcoin entstanden.
Dort geht es nicht nur um Theorie oder um das Halten eines Coins als Investment, sondern um ganz normale Zahlungen im täglichen Leben. Händler, Dienstleister und Kunden nutzen Bitcoin tatsächlich so, wie andere Menschen den Euro oder den US Dollar nutzen.Das ganze funktioniert sogar schon bei Kleinstbeträgen in Satoshis.
Wer einen Taxifahrer bezahlen will, ein Getränk kaufen möchte oder an einem Obststand an der Straßenecke einkauft, kann dies in bestimmten Gegenden direkt mit Bitcoin tun. Solche Zahlungen laufen in der Regel nicht über die eigentliche Bitcoin Blockchain, sondern über das Lightning Network.
Dieses Netzwerk ist auf besonders schnelle und günstige Mikrozahlungen ausgelegt und ermöglicht es, selbst kleinste Bitcoin Einheiten, sogenannte Satoshis, innerhalb von Sekunden zu übertragen. Tatsächlich wird Bitcoin dadurch im Alltag überhaupt erst praktikabel, denn niemand möchte beim Kauf einer Mango lange auf die Bestätigung einer Zahlung warten.
Neben El Salvador gibt es vor allem in Zentralamerika noch weitere Beispiele, wo Bitcoin als Geld genutzt wird. In Costa Rica beispielsweise ist mit dem Bitcoin Jungle ein ähnliches Projekt entstanden, das ausdrücklich eine lokale Kreislaufwirtschaft auf Basis des Bitcoin Lightning Network aufbaut.
Und auch in Guatemala wird mit dem Bitcoin Lake an vergleichbaren Strukturen gearbeitet. Ob dieser Anwendungsbereich es mittel-oder langfristig auch nach Europa schafft, bleibt mit Spannung abzuwarten. Bislang fokussiert sich die EU allerdings eher auf den digitalen Euro, der keineswegs dezentral wie Bitcoin und andere Kryptowährungen sein wird.