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Unternehmen, Forschung und Entwicklungen zwischen Dresden, Chemnitz und Leipzig
Sachsen hat sich zu einem wichtigen deutschen Standort für Robotik, industrielle Automatisierung und intelligente Produktionssysteme entwickelt. Die Stärke des Freistaats liegt weniger in der Serienproduktion klassischer Roboterarme als in der Verbindung von Maschinenbau, Software, Mikroelektronik, künstlicher Intelligenz und Automatisierungstechnik. Dadurch entstehen Lösungen für Halbleiterfabriken, Fahrzeugbau, Medizintechnik, Energietechnik und mittelständische Produktionsbetriebe.
Besonders starke Zentren haben sich rund um Dresden und Chemnitz herausgebildet. Dresden verbindet seine Halbleiterindustrie mit Reinraumautomation, Robotersoftware und digital vernetzten Fabriken. Chemnitz steht für Produktionsrobotik, Maschinenbau, automatisierte Montage und den Transfer neuer Robotikanwendungen in kleine und mittlere Unternehmen. Netzwerke und Forschungseinrichtungen ergänzen diese Unternehmenslandschaft. Die Wirtschaftsförderung Sachsen bezeichnet den Freistaat aufgrund der Kombination aus IT-, Maschinenbau- und Softwarekompetenz ausdrücklich als aufstrebende Robotik-Hochburg.
Wichtige Robotikunternehmen in Sachsen
| Unternehmen | Standort | Schwerpunkt | Besondere Entwicklungen |
|---|---|---|---|
| Wandelbots GmbH | Dresden | Robotersoftware, Physical AI, herstellerunabhängige Programmierung | NOVA-Plattform zur Simulation, Programmierung und Steuerung unterschiedlicher Industrieroboter |
| Fabmatics GmbH | Dresden | Reinraumrobotik und Materialflussautomation | Mobile Roboter, Roboterzellen sowie Transport-, Lager- und Handlingsysteme für Halbleiterfabriken |
| XENON Automatisierungstechnik GmbH | Dresden | Montage-, Prüf- und Roboterautomation | Turnkey-Anlagen mit SCARA-, Sechsachs- und Portalsystemen für Elektronik, Mobilität, Energie und Medizintechnik |
| SITEC Industrietechnologie GmbH | Chemnitz | Automatisierte Montage, Laserbearbeitung und Sondermaschinenbau | Flexible Roboterzellen und skalierbare Produktionslinien für Automotive, Wasserstofftechnik und Medizintechnik |
| Kontron AIS GmbH | Dresden | Fabriksoftware und Anlagenautomation | Softwarelösungen zur Steuerung und Vernetzung automatisierter Hightech-Produktionen |
| SYSTEMA Systementwicklung Dipl.-Inf. Manfred Austen GmbH | Dresden | Smart Manufacturing und Produktions-IT | Software für hochautomatisierte Halbleiterfabriken und datenbasierte Produktionssteuerung |
Die Übersicht konzentriert sich auf besonders sichtbare Anbieter mit eigenständigen Technologien. Daneben gibt es zahlreiche Systemintegratoren, Maschinenbauer, Komponentenhersteller und industrielle Anwender, die Robotik in ihre Produktionsprozesse integrieren.
Wandelbots: Roboter unabhängig vom Hersteller programmieren
Das Dresdner Unternehmen Wandelbots gehört zu den international sichtbarsten Robotik-Start-ups aus Sachsen. Es ging 2017 aus dem Umfeld der TU Dresden hervor und wurde zunächst durch den TracePen bekannt, mit dem sich Bewegungsabläufe für Roboter durch Vormachen einlernen ließen. Inzwischen konzentriert sich das Unternehmen auf eine softwarebasierte Plattform für industrielle Robotik.
Das zentrale Produkt Wandelbots NOVA verbindet Robotersysteme, künstliche Intelligenz und digitale Zwillinge. Arbeitsabläufe können zunächst virtuell simuliert, geprüft und anschließend auf reale Roboter übertragen werden. Der herstellerunabhängige Ansatz soll vermeiden, dass Unternehmen für jede Robotermarke vollständig getrennte Software- und Programmierwelten benötigen.
Damit setzt Wandelbots an einem der größten Hindernisse industrieller Robotik an: der komplexen Programmierung. Gerade kleinere Unternehmen verfügen häufig nicht über spezialisierte Roboterprogrammierer. Eine gemeinsame Softwareebene kann Automatisierung leichter anpassbar machen und den Einsatz bei häufig wechselnden Produkten ermöglichen.
Ein praktisches Beispiel stammt aus der Laborautomation. Gemeinsam mit dem Exzellenzcluster Physics of Life der TU Dresden und dem Max-Planck-Institut wurde eine Anwendung für wiederkehrende Pipettieraufgaben entwickelt. Laut Wandelbots erhöhte die automatisierte Lösung die Prozesseffizienz bei unterschiedlichen Testreihen um das Vierfache.
Fabmatics: Mobile Roboter für Halbleiterfabriken
Fabmatics aus Dresden gehört zu den führenden sächsischen Unternehmen für Reinraumautomation. Der Betrieb entwickelt Hard- und Software für Materialtransport, Handling, Lagerung, Identifikation und Nachverfolgung in Halbleiterfabriken und anderen hoch technisierten Produktionsumgebungen.
Eine besondere Stärke sind mobile Roboter, die Wafer, Masken und Transportbehälter autonom durch Reinräume bewegen. In der Chipfertigung müssen empfindliche Materialien zwischen zahlreichen Prozessanlagen transportiert werden. Jede unnötige manuelle Berührung erhöht das Risiko von Verunreinigungen, Verzögerungen oder Beschädigungen. Automatisierte Transportsysteme verbessern deshalb nicht nur die Produktivität, sondern auch Prozesssicherheit und Rückverfolgbarkeit.
Fabmatics bietet neben mobilen Plattformen unter anderem Roboterzellen, automatisierte Lager- und Transportsysteme sowie Lösungen zur Produktidentifikation. Das Unternehmen besitzt besondere Erfahrung bei der nachträglichen Automatisierung älterer 200-Millimeter-Halbleiterfabriken. Seit 2023 gehört Fabmatics zur SCIO Automation Group.
Der Dresdner Standort profitiert unmittelbar vom Mikroelektronikcluster Silicon Saxony. Halbleiterfabriken benötigen eine wesentlich strengere und präzisere Automatisierung als viele klassische Produktionsbereiche. Dadurch ist in Sachsen Spezialwissen entstanden, das Fabmatics weltweit vermarktet.
XENON: Roboteranlagen für Smart Devices und Energietechnik
Die Dresdner XENON Automatisierungstechnik GmbH entwickelt schlüsselfertige Montage- und Prüfanlagen für mechatronische Produkte. Das Unternehmen arbeitet unter anderem für die Automobil-, Elektronik-, Energie- und Medizintechnikindustrie und unterhält neben dem Stammsitz in Dresden weitere Produktionsstandorte in China und Mexiko.
In seinen Anlagen kombiniert XENON unterschiedliche Robotertypen. Dazu zählen Mehrachs-Portalsysteme, SCARA-Roboter und klassische Sechsachsroboter. Sie übernehmen beispielsweise Teilehandling, Montage, Prüfung, Verpackung oder die Verbindung verschiedener Fertigungsschritte. Bevor eine Anlage gebaut und in Betrieb genommen wird, können Prozesse simuliert und virtuell getestet werden.
Bemerkenswert ist die Ausrichtung auf neue Energietechnologien. XENON entwickelt Automatisierungslösungen für Solarzellen, Elektrolyseure, Brennstoffzellen und Leistungselektronik. Robotik wird hier nicht nur eingesetzt, um bestehende Fertigung effizienter zu machen, sondern auch, um neue klimarelevante Technologien überhaupt in industriellen Stückzahlen herstellen zu können.
SITEC: Robotik für Montage und Laserbearbeitung
SITEC Industrietechnologie aus Chemnitz steht für die Verbindung von Maschinenbau, Laserbearbeitung und intelligenter Automation. Das Unternehmen entwickelt automatisierte Montageanlagen, Lasermaschinen und kundenspezifische Produktionslinien. Nach eigenen Angaben verfügt SITEC über mehr als 30 Jahre Erfahrung, beschäftigt über 300 Fachkräfte und hat mehr als 3.000 Produktionssysteme ausgeliefert.
Robotersysteme werden beispielsweise zum Handling, Montieren, Schweißen, Prüfen oder Kennzeichnen von Bauteilen eingesetzt. SITEC verbindet sie mit Rückverfolgbarkeit, Qualitätskontrolle und digitaler Anlagenvernetzung. Das Angebot reicht von intelligenten Handarbeitsplätzen bis zu schlüsselfertigen robotergestützten Komplettanlagen.
Ein wichtiges Merkmal ist der modulare Aufbau der Anlagen. Produktionszellen sollen sich an steigende Stückzahlen oder neue Produktvarianten anpassen lassen. Das ist besonders für Unternehmen interessant, die nicht über Jahre hinweg dasselbe Produkt in unveränderter Form herstellen. SITEC richtet seine Lösungen unter anderem an die Automobilindustrie, Wasserstoffwirtschaft und Medizintechnik.
Softwareunternehmen als unsichtbare Säule der Robotik
Robotik besteht längst nicht mehr nur aus Roboterarm, Greifer und Schutzzelle. In modernen Fabriken entscheidet die Software darüber, welche Materialien wann transportiert werden, wie Maschinen miteinander kommunizieren und wie Produktionsdaten ausgewertet werden.
In Dresden besitzen Kontron AIS, SYSTEMA, Fabmatics und XENON langjährige Erfahrung in der Automatisierung von Halbleiter- und Hightechfabriken. Gemeinsam arbeiten diese Unternehmen im Automation Network Dresden. Das Netzwerk bündelt Software-, Hardware- und Anlagenkompetenz für komplexe Automatisierungsvorhaben, insbesondere in der Halbleiterindustrie.
Kontron AIS und SYSTEMA bauen in diesem Zusammenhang nicht vorrangig eigene Roboterarme. Ihre Lösungen bilden vielmehr die digitale Infrastruktur, mit der automatisierte Anlagen, Materialflüsse und Roboter in einer Fabrik koordiniert werden. Diese Produktions-IT ist ein wesentlicher Teil moderner Robotik, auch wenn sie für Besucher einer Fabrik kaum sichtbar ist.
Forschung als Motor der sächsischen Robotik
Fraunhofer IWU in Chemnitz und Dresden
Das Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU zählt zu den wichtigsten Einrichtungen für Produktions- und Industrierobotik in Sachsen. Ein Schwerpunkt liegt auf Robotikanwendungen für kleine Losgrößen und variantenreiche Fertigung.
Genau hier besteht noch großer Entwicklungsbedarf: Klassische Industrieroboter rechnen sich besonders bei langen Serien mit gleichbleibenden Abläufen. Bei kleinen Stückzahlen können Programmierung, Umrüstung und Inbetriebnahme dagegen einen erheblichen Teil der Produktionszeit beanspruchen. Im Projekt RoSa entwickelt das Fraunhofer IWU deshalb gemeinsam mit Partnern neue Robotikapplikationen, die sich leichter auf wechselnde Bauteile und Prozesse einstellen lassen.
TU Chemnitz
Die TU Chemnitz forscht unter anderem an Robotersoftware, Servicerobotik, Mensch-Roboter-Interaktion und intelligenten Steuerungssystemen. Ein strategisches Ziel besteht darin, die sächsische Forschung zur Servicerobotik stärker zwischen Hochschulen und Fachdisziplinen zu vernetzen und ihre Anwendung durch Prototypen sichtbar zu machen.
Die Universität arbeitet zudem eng mit mittelständischen Unternehmen der Region zusammen. Dadurch können Entwicklungen aus Informatik, Sensorik, Produktionstechnik oder künstlicher Intelligenz vergleichsweise schnell in industrielle Anwendungen übertragen werden.
TU Dresden und Dresdner Forschungslandschaft
In Dresden profitiert die Robotik von einer besonders dichten Forschungslandschaft. Die TU Dresden, Fraunhofer-Institute, Max-Planck-Einrichtungen und Halbleiterunternehmen verbinden Robotik mit KI, Laborautomation, Sensorik, Mikroelektronik und digitalen Zwillingen. Der Aufstieg von Wandelbots aus dem Umfeld der TU Dresden zeigt, wie aus universitärer Forschung ein international ausgerichtetes Technologieunternehmen entstehen kann.
Netzwerke: Robot Valley und Robotics Saxony
Ein wichtiger Baustein ist die Vernetzung der Akteure. Das Robot Valley Saxony bringt Unternehmen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Start-ups zusammen. Eine Standortdarstellung nannte für das sächsische Robotikumfeld rund 30 Start-ups, mehr als 340 Unternehmen und 44 Forschungseinrichtungen. Diese Zahlen verdeutlichen die Breite des Ökosystems, auch wenn nicht jeder beteiligte Betrieb ausschließlich Robotikprodukte herstellt.
Im März 2025 wurde Robot Valley Saxony vom Dresdner Smart Systems Hub übernommen, soll jedoch als eigenständiger Akteur fortbestehen. Die Verbindung soll Robotik, künstliche Intelligenz, Internet of Things und industrielle Automation enger zusammenführen. Der Smart Systems Hub verweist dabei auf ein Netzwerk von mehr als 700 Partnern.
Ebenfalls 2025 startete das Innovationscluster Robotics Saxony. Es soll besonders mittelständische Unternehmen beim Einsatz von Robotik und KI unterstützen. Beteiligt sind unter anderem das ICM – Institut Chemnitzer Maschinen- und Anlagenbau, VE.MAS, Robot Valley, das Fraunhofer IWU und die Westsächsische Hochschule Zwickau.
Wo Sachsen besondere Stärken besitzt
Halbleiter- und Reinraumrobotik
Dresden ist einer der wichtigsten Halbleiterstandorte Europas. Entsprechend stark ist die Region bei automatisierten Materialflüssen, Reinraumtransport, Produktidentifikation und Fabriksteuerung. Fabmatics und die Unternehmen des Automation Network Dresden besitzen hier international relevantes Spezialwissen.
Herstellerunabhängige Robotersoftware
Mit Wandelbots verfügt Sachsen über einen besonders sichtbaren Akteur im Bereich softwaredefinierter Robotik. Der Ansatz, unterschiedliche Robotermarken über eine gemeinsame Plattform zu programmieren und mit digitalen Zwillingen zu verbinden, adressiert einen wichtigen Zukunftsmarkt.
Produktionsrobotik für den Mittelstand
Chemnitz und Südwestsachsen sind vom Maschinenbau und von mittelständischen Zulieferern geprägt. Lösungen müssen dort häufig flexibel, bezahlbar und für kleinere Serien geeignet sein. Fraunhofer IWU, SITEC und regionale Integratoren arbeiten deshalb stark an modularen Zellen, vereinfachter Programmierung und schnelleren Umrüstprozessen.
Verbindung von Robotik und Energietechnik
Automatisierungslösungen für Brennstoffzellen, Elektrolyseure, Leistungselektronik und Solartechnik gewinnen an Bedeutung. Unternehmen wie XENON und SITEC übertragen ihre Erfahrungen aus Fahrzeugbau und Elektronik auf diese neuen Produktionsfelder.
Welche Entwicklungen werden künftig wichtig?
Ein zentraler Trend ist Physical AI – also künstliche Intelligenz, die nicht nur Texte oder Bilder verarbeitet, sondern physische Systeme steuert. Roboter sollen ihre Umgebung besser erkennen, Bewegungen flexibler planen und aus Betriebsdaten lernen. Wandelbots positioniert seine NOVA-Plattform ausdrücklich als Grundlage für die Verbindung von KI, digitalen Zwillingen und realen Robotersystemen.
Daneben werden mobile Roboter und autonome Transportsysteme weiter an Bedeutung gewinnen. Sie versorgen Produktionsanlagen mit Material, verbinden Lager und Montage oder arbeiten in Reinräumen. Fabmatics demonstriert bereits, wie stark solche Systeme in hochsensiblen Produktionsumgebungen automatisiert werden können.
Auch Cobots, humanoide Roboter und vereinfachte Bedienkonzepte werden für den Mittelstand wichtiger. Das Innovationscluster Robotics Saxony hat 2026 beispielsweise einen Arbeitskreis zu humanoiden Robotern angestoßen, um Anforderungen und mögliche Anwendungen gemeinsam mit Unternehmen zu untersuchen.
Chancen und Herausforderungen
Robotik kann Sachsen helfen, Fachkräftemangel, demografischen Wandel und internationalen Kostendruck abzufedern. Besonders monotone, körperlich belastende, gefährliche oder hochpräzise Tätigkeiten lassen sich automatisieren. Gleichzeitig können Roboter Beschäftigte unterstützen, ohne komplette Arbeitsplätze ersetzen zu müssen.
Die größte Hürde liegt häufig nicht im Kauf des Roboters, sondern in Integration, Programmierung und Umrüstung. Gerade kleine Unternehmen benötigen Lösungen, die ohne große Spezialabteilungen eingeführt und an neue Aufgaben angepasst werden können. Genau dort setzen viele sächsische Entwicklungen an – mit No-Code-Software, modularen Zellen, digitalen Zwillingen und anwendungsnaher Forschung. Das Fraunhofer IWU nennt den hohen Programmier- und Inbetriebnahmeaufwand ausdrücklich als zentrales Hindernis für den Robotereinsatz bei kleinen Losgrößen.
Fazit
Sachsen ist kein klassischer Massenproduzent von Industrierobotern, hat sich aber in entscheidenden Teilbereichen der Robotik eine starke Position erarbeitet. Wandelbots steht für herstellerunabhängige Robotersoftware und Physical AI. Fabmatics automatisiert Materialflüsse in Halbleiterfabriken. XENON entwickelt robotergestützte Montage- und Prüfanlagen für Hightechprodukte. SITEC verbindet Roboterautomation mit Montage, Laserbearbeitung und flexiblen Produktionssystemen.
Ergänzt wird diese Unternehmenslandschaft durch Fabriksoftwareanbieter, Maschinenbauer, Forschungseinrichtungen und Netzwerke wie Robotics Saxony, Robot Valley und Silicon Saxony. Die besondere Stärke des Freistaats liegt damit nicht in einem einzelnen Robotermodell, sondern in der Fähigkeit, Roboter, Maschinen, Sensoren, Software und künstliche Intelligenz zu vollständigen Produktionslösungen zu verbinden.