Geschichte, Architektur und Gottesdienste

Die Peterskirche in Leipzig gehört zu den markantesten Sakralbauten der Stadt. Mit ihrem rund 88 Meter hohen Turm besitzt sie den höchsten Kirchturm Leipzigs und ist schon von weitem über der südlichen Innenstadt zu erkennen. Die neugotische Kirche steht am Gaudigplatz, nur wenige Gehminuten vom Bayerischen Bahnhof und vom Zentrum entfernt.

Anders als die mittelalterlichen Leipziger Hauptkirchen St. Thomas und St. Nikolai stammt die heutige Peterskirche aus dem späten 19. Jahrhundert. Ihr monumentaler Kirchenraum, die farbigen Bleiglasfenster und zahlreiche steinerne Bildhauerarbeiten machen sie zu einem der bedeutendsten historistischen Kirchenbauten Leipzigs.

Gleichzeitig ist die Peterskirche kein reines Baudenkmal. Sie gehört zur Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde im Leipziger Süden und wird weiterhin für Gottesdienste, Kirchenmusik und Gemeindearbeit genutzt. Weil heute keine feste Bestuhlung mehr vorhanden ist, dient das Kirchenschiff außerdem als flexibel nutzbarer Veranstaltungsraum für Konzerte, Ausstellungen, Theater und Kulturveranstaltungen.

Geschichte

Die Geschichte der Peterskirche reicht wesentlich weiter zurück als das heutige Gebäude. Bereits im Mittelalter existierte südlich der damaligen Leipziger Stadt eine Peterskapelle. Sie wurde 1213 erstmals urkundlich als „capella beati Petri“ erwähnt. Vermutlich befand sich an dieser Stelle schon zuvor eine einfache Kirche für die dortige Siedlung.

1507 entstand nahe dem damaligen Peterstor eine neue spätgotische Peterskirche. Mit der Einführung der Reformation in Leipzig im Jahr 1539 verlor das Gotteshaus jedoch zunächst seine kirchliche Funktion. Das Gebäude wurde zeitweise unter anderem als Lagerraum und Kaserne genutzt.

Erst Anfang des 18. Jahrhunderts erhielt die Kirche ihre religiöse Funktion zurück. 1710 begann eine grundlegende Wiederherstellung, und ab 1712 fanden erneut Predigten und Katechisationen statt. Im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts gewann die Peterskirche zunehmend an Bedeutung.

Eine neue Kirche für die wachsende Südvorstadt

Im 19. Jahrhundert wuchs Leipzig durch Industrialisierung und Bevölkerungszunahme rasant. Besonders die südlichen Vorstädte entwickelten sich zu großen Wohngebieten.

1876 wurde die Peterskirche zur eigenständigen Parochialkirche erhoben. Die alte Kirche war für die schnell wachsende Gemeinde allerdings viel zu klein. Deshalb entschied man sich für einen repräsentativen Neubau auf dem damaligen Schletterplatz, dem heutigen Gaudigplatz.

1877 wurde ein großer Architekturwettbewerb ausgeschrieben. 80 Entwürfe wurden eingereicht. Letztlich erhielten die Architekten August Hartel und Constantin Lipsius den Auftrag, aus ihren Entwürfen eine gemeinsame Lösung zu entwickeln.

Am 17. September 1882 wurde der Grundstein gelegt. Die feierliche Weihe der neuen Peterskirche fand am 27. Dezember 1885 statt. Die letzten Ausstattungsarbeiten und Glasfenster wurden 1886 fertiggestellt.

Die alte Peterskirche in der Innenstadt wurde anschließend abgerissen. An sie erinnern heute unter anderem die Petersstraße und der Peterskirchhof.

Zerstörung im Zweiten Weltkrieg

Während eines Luftangriffs im Zweiten Weltkrieg wurde die neue Peterskirche schwer beschädigt. Das Hauptdach ging vollständig verloren, Kapellen wurden teilweise zerstört und auch Fassaden, Fenster und Innenräume erlitten erhebliche Schäden.

Fast zehn Jahre stand die Kirche ohne richtiges Dach. In dieser Phase ging außerdem die große historische Sauer-Orgel verloren.

Anlässlich des Evangelischen Kirchentages 1954 konnte das Dach mit Unterstützung der schwedischen Kirche wiederhergestellt werden. Bis 1966 wurde die Peterskirche zumindest provisorisch wieder nutzbar gemacht. Weitere große Sicherungs- und Wiederaufbauarbeiten folgten in den 1970er-Jahren.

Seit 1990 wird die Kirche abschnittsweise restauriert. Unter anderem wurden Dach, Fassaden, Westwerk, Kapellenkranz, Taufkapelle, Turm und Glasfenster saniert. Auch heute ist die langfristige Restaurierung der großen Kirche noch nicht vollständig abgeschlossen.

Die wichtigsten Fakten im Überblick

Fakt Information
Name Peterskirche Leipzig
Adresse Schletterstraße 5, 04107 Leipzig
Lage Gaudigplatz, südliches Leipziger Zentrum
Konfession Evangelisch-lutherisch
Architekturstil Neugotik / historistische Kirchenarchitektur
Architekten August Hartel und Constantin Lipsius
Grundsteinlegung 17. September 1882
Weihe 27. Dezember 1885
Turmhöhe ca. 88 Meter
Besonderheit Höchster Kirchturm Leipzigs
Historische Orgel Sauer-Orgel von 1885 mit ursprünglich 60 Registern; im 20. Jahrhundert verloren
Heutige Nutzung Gottesdienste, Kirchenmusik, Konzerte, Ausstellungen und Kulturveranstaltungen
ÖPNV Bayerischer Bahnhof sowie Haltestellen Härtelstraße und Hohe Straße

Die Peterskirche ist über den Bayerischen Bahnhof besonders gut erreichbar. Dort halten mehrere S-Bahn-, Straßenbahn- und Buslinien.

Peterskirche in Leipzig

Wissenswertes

Leipzigs höchster Kirchturm

Der rund 88 Meter hohe Glockenturm ist das weithin sichtbarste Merkmal der Peterskirche und höher als die Türme der Thomas- und Nikolaikirche. Seine Fassade ist reich mit neugotischen Steinmetz- und Bildhauerarbeiten versehen.

Die große steinerne Kreuzblume an der Turmspitze ist allein rund 5,60 Meter hoch.

Zwischenzeitlich war der Turm stark sanierungsbedürftig. Ab 2005 durften die Glocken wegen statischer Probleme zeitweise nicht mehr läuten. Bei einer umfangreichen Sanierung wurden beschädigte Natursteine restauriert oder ersetzt und korrodierte Bauteile erneuert. Die Arbeiten konnten 2009 abgeschlossen werden.

Turmbesteigung nur zu ausgewählten Terminen

Der Turm ist nicht wie ein klassischer Aussichtsturm täglich geöffnet. Bei besonderen Führungen und Veranstaltungen werden jedoch Turmbesteigungen angeboten.

Dabei führt der Weg unter anderem über eine große freistehende Wendeltreppe. Bei geführten Touren kann eine Höhe von rund 51 Metern erreicht werden, von der sich ein weiter Blick über die Leipziger Innenstadt und Südvorstadt eröffnet. Für die Turmbesteigung ist Schwindelfreiheit erforderlich.

Die farbigen Bleiglasfenster

Zu den wertvollsten erhaltenen beziehungsweise restaurierten Ausstattungsstücken gehören die farbigen Bleiglasfenster. Die aufwendigen Glasmalereien gehörten ursprünglich zum Gesamtkonzept der neugotischen Kirche. Ein Teil wurde im Krieg zerstört oder beschädigt. Inzwischen konnten zahlreiche Fenster restauriert werden.

Besonders bei Sonneneinstrahlung prägen ihre Farben den Innenraum.

Die Taufkapelle zeigt die ursprüngliche Farbenpracht

Wer sich vorstellen möchte, wie farbig die Peterskirche ursprünglich gestaltet war, sollte auf die Taufkapelle achten. Sie wurde besonders detailgetreu restauriert und vermittelt einen Eindruck davon, dass der Innenraum Ende des 19. Jahrhunderts wesentlich farbenprächtiger wirkte als heute.

Die große Sauer-Orgel ist verloren

1885 erhielt die Peterskirche eine große Orgel des berühmten Orgelbauers Wilhelm Sauer. Das Instrument besaß 60 Register und gehörte zu den größten und modernsten Leipziger Orgeln seiner Zeit.

Durch die Kriegsschäden war die Orgel jahrelang der Witterung ausgesetzt. 1958 wurden ihre Metallpfeifen schließlich verkauft beziehungsweise eingeschmolzen, andere Teile wurden anderweitig verwendet.

Erhalten blieb der monumentale neugotische Orgelprospekt. Langfristig bestehen Pläne, wieder eine große Orgel in der Peterskirche zu errichten.

Orgel-Punkt-Zwölf

Trotz des Verlustes der historischen Hauptorgel spielt Orgelmusik weiterhin eine wichtige Rolle. Seit 1996 findet donnerstags regelmäßig der „Orgel-Punkt-Zwölf“ statt – ein etwa halbstündiges kleines Konzert mit Andacht. Im aktuellen Veranstaltungskalender ist es jeweils donnerstags um 12 Uhr vorgesehen.

Vom Gotteshaus zum Kulturraum

Eine Besonderheit der Peterskirche ist das heute weitgehend frei nutzbare Kirchenschiff. Da keine dauerhafte feste Bestuhlung vorhanden ist, kann der Raum unterschiedlich eingerichtet werden.

Neben kirchlichen Veranstaltungen finden deshalb unter anderem:

  • klassische Konzerte,
  • Chorkonzerte,
  • Ausstellungen,
  • Theaterveranstaltungen,
  • Tagungen und
  • Veranstaltungen während des Wave-Gotik-Treffens

statt.

Dadurch gehört die Peterskirche zugleich zu den ungewöhnlichsten Kulturorten der Leipziger Südvorstadt.

Offene Peterskirche

Neben Gottesdiensten und Veranstaltungen gibt es regelmäßig Zeiten zur freien Besichtigung und stillen Andacht.

Im aktuellen Kalender für Herbst 2026 ist die Offene Peterskirche häufig sonntags von 15 bis 17 Uhr ausgewiesen. Da Konzerte, Gottesdienste und Sonderveranstaltungen Auswirkungen auf die Zugänglichkeit haben können, sollte vor einem gezielten Besuch der aktuelle Gemeindekalender kontrolliert werden.

Gottesdienste in der Peterskirche Leipzig

Die Peterskirche ist weiterhin eine aktive evangelisch-lutherische Gemeindekirche. Die Gottesdienste orientieren sich in ihrer Form an der Evangelischen Messe. In der Regel gehört die Feier des Heiligen Abendmahls dazu. Anschließend lädt die Gemeinde häufig zum Kirchenkaffee ein.

Reguläre Sonntagsgottesdienste beginnen häufig um 10:30 Uhr. Der aktuelle Kalender nennt beispielsweise für den 20. und 27. September sowie den 1. November 2026 jeweils Gottesdienste von 10:30 bis 12 Uhr.

An Feiertagen und bei Familiengottesdiensten können andere Zeiten gelten. Familiengottesdienste beginnen häufig um 10 Uhr und richten sich besonders an Familien mit Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter.

Mehrmals im Jahr gibt es außerdem Mini-Gottesdienste für Familien mit kleinen Kindern, Taufgedächtnisfeiern sowie besondere Gottesdienste zu kirchlichen Festtagen.

Ein fester Termin unter der Woche ist der bereits erwähnte Orgel-Punkt-Zwölf am Donnerstag um 12 Uhr, der Musik und kurze Andacht verbindet.

Da die Gottesdienstzeiten je nach Kirchenjahr und Veranstaltung variieren, empfiehlt sich vor dem Besuch immer ein Blick in den aktuellen Kalender der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde im Leipziger Süden.

Fazit

Die Peterskirche gehört zu den architektonisch interessantesten Kirchen Leipzigs. Ihr 88 Meter hoher Turm, die aufwendige neugotische Architektur und die farbigen Glasfenster erinnern an die enorme Entwicklung Leipzigs während des späten 19. Jahrhunderts.

Gleichzeitig erzählt das Gebäude von Zerstörung und jahrzehntelangem Wiederaufbau. Kriegsschäden, der Verlust der großen Sauer-Orgel und die umfangreichen Restaurierungsarbeiten haben sichtbare Spuren hinterlassen.

Heute verbindet die Peterskirche mehrere Funktionen miteinander: Sie ist Gemeindekirche, Baudenkmal, Konzertsaal und Kulturort. Für Besucher lohnt sich deshalb nicht nur der Blick von außen. Wer die Gelegenheit zu einer offenen Kirche, einem Gottesdienst, dem Orgel-Punkt-Zwölf oder einer Führung mit Turmbesteigung hat, erlebt eines der ungewöhnlichsten Gotteshäuser Leipzigs besonders intensiv.

Hinweis: Dieser Text wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt und von der Redaktion geprüft.

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