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Diagnostik, OP-Technik und digitale Medizin
Leipzig hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Standort für Life Sciences und Medizintechnik entwickelt. Dabei reicht das Spektrum weit über klassische Krankenhausausstattung hinaus: Unternehmen aus der Stadt entwickeln unter anderem Spiroergometrie-Systeme, Atemgasanalysatoren, medizinische Bestrahlungsanlagen, neurodiagnostische Ultraschalltechnik und patientenspezifische Lösungen aus dem 3D-Drucker.
Ein wichtiger Standortfaktor ist die enge Verbindung von Wirtschaft und Forschung. Rund um den BioCity Campus am Deutschen Platz befinden sich Unternehmen, Universität, Universitätsklinikum und Forschungseinrichtungen in unmittelbarer Nachbarschaft. Der Campus umfasst mittlerweile mehr als 100.000 Quadratmeter Labor- und Büroflächen.
Medizintechnik-Unternehmen in Leipzig im Überblick
| Unternehmen | Standort | Schwerpunkt | Webseite |
|---|---|---|---|
| CORTEX Biophysik GmbH | Leipzig-Seehausen | Spiroergometrie und kardiopulmonale Diagnostik | cortex-medical.com |
| Fischer ANalysen Instrumente GmbH (FAN) | Leipzig | Atemgasdiagnostik | fan-gmbh.de |
| Gamma-Service Medical GmbH | Leipzig | Röntgen- und Gamma-Bestrahlungsanlagen | gamma-medical.info |
| Sonovum GmbH | Leipzig | Neurodiagnostik und nicht-invasive Hirndruckmessung | sonovum.de |
| next3D GmbH | Leipzig | 3D-Druck, Navigation und personalisierte Medizintechnik | next3d.de |
| BfMC Biofeedback Motor Control GmbH | Leipzig-Plagwitz | Reha-, Trainings- und Diagnostiksysteme | bfmc.info |
Die Übersicht konzentriert sich auf Unternehmen, die in Leipzig eigene medizintechnische Produkte entwickeln beziehungsweise herstellen. Hinzu kommen zahlreiche Händler, Dienstleister, Dentaltechnikunternehmen und Anbieter von Krankenhausausrüstung.
CORTEX Biophysik: Leistungsdiagnostik aus Leipzig
Die CORTEX Biophysik GmbH gehört zu den etablierten Leipziger Medizintechnikherstellern. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in der Walter-Köhn-Straße und bezeichnet sich als Weltmarktführer im Bereich der mobilen Spiroergometrie.
Bei der Spiroergometrie wird während körperlicher Belastung unter anderem analysiert, wie viel Sauerstoff ein Mensch aufnimmt und wie viel Kohlendioxid er ausatmet. Daraus lassen sich Rückschlüsse auf die Leistungsfähigkeit von Herz, Lunge und Stoffwechsel ziehen.
CORTEX entwickelt unter anderem die Systeme METAMAX und METALYZER. Eingesetzt werden sie beispielsweise in:
- Kardiologie,
- Pneumologie,
- Rehabilitation,
- Arbeitsmedizin,
- Sportmedizin,
- Leistungsdiagnostik und
- Forschung.
Die Leipziger Geräte kommen damit sowohl bei Patienten als auch bei Hochleistungssportlern zum Einsatz. Nach Unternehmensangaben werden CORTEX-Systeme weltweit vertrieben.
FAN: Atemtests statt aufwendiger Diagnostik
Ebenfalls auf medizinische Diagnostik spezialisiert ist die Fischer ANalysen Instrumente GmbH, kurz FAN. Das Unternehmen entwickelt, produziert und vertreibt seine Geräte nach eigenen Angaben direkt am Leipziger Standort. Der Schwerpunkt liegt auf 13C- und Wasserstoff-Atemtests.
Solche Untersuchungen werden beispielsweise eingesetzt, um:
- Helicobacter-pylori-Infektionen zu untersuchen,
- Laktoseunverträglichkeiten festzustellen,
- Magenentleerung zu analysieren oder
- bestimmte Stoffwechselvorgänge zu messen.
Bei einem Atemtest kann die Zusammensetzung ausgeatmeter Luft Aufschluss über Vorgänge im Verdauungssystem geben. Dadurch lassen sich bestimmte Untersuchungen vergleichsweise patientenschonend durchführen.
Neben den Analysegeräten entwickelt FAN auch Software zur Auswertung und Dokumentation der Untersuchungen. Das Unternehmen ist nach ISO 13485 für Medizinprodukte zertifiziert.
- Sitz: Brahestraße 25–27, 04347 Leipzig
Gamma-Service Medical: Strahlentechnik für Medizin und Forschung
Ein besonders spezialisiertes Unternehmen ist die Gamma-Service Medical GmbH. Sie entwickelt und produziert in Leipzig Röntgen- und Gamma-Bestrahlungsanlagen. Ein wichtiges Einsatzgebiet ist die Bestrahlung von Blutkomponenten. Darüber hinaus werden Anlagen für die Bestrahlung von Zellen und Versuchstieren in der medizinischen Forschung angeboten.
Das Unternehmen wurde 2007 gegründet und gehört seit 2017 zur Eckert & Ziegler Gruppe, einem international tätigen Spezialisten für Isotopentechnik und medizinische Anwendungen radioaktiver Stoffe.
Zu den Leistungen gehören neben der Gerätefertigung auch Installation, Wartung, Dosimetrie, Reparaturen und Anwenderschulungen.
- Sitz: Bautzner Straße 67A, 04347 Leipzig
Sonovum: Ultraschall soll Hirndruck ohne Eingriff erfassen
Eines der jüngeren Leipziger Medizintechnikunternehmen ist Sonovum am Deutschen Platz. Das Unternehmen entwickelt eine Technologie zur nicht-invasiven Bestimmung des intrakraniellen Drucks, also des Drucks innerhalb des Schädels. Das ist medizinisch beispielsweise bei schweren Kopfverletzungen, neurologischen Erkrankungen oder nach neurochirurgischen Eingriffen relevant.
Bei herkömmlichen Verfahren kann zur präzisen Druckmessung ein invasiver Eingriff erforderlich sein. Sonovum arbeitet dagegen mit Transmissionsultraschall, Biosignalanalyse und einem auf klinischen Daten trainierten Algorithmus.
Nach aktuellen Unternehmensangaben ist die Markteinführung der Technologie für das vierte Quartal 2026 vorgesehen. Damit steht das Unternehmen exemplarisch für die Verbindung aus Medizintechnik, Software und künstlicher Intelligenz, die am Leipziger Life-Science-Standort zunehmend an Bedeutung gewinnt.
next3D: Individuelle Medizin aus dem 3D-Drucker
Direkt auf dem BioCity Campus arbeitet auch die next3D GmbH. Das Unternehmen ist aus Forschungsaktivitäten der Universität Leipzig und des Fraunhofer IWU hervorgegangen. Ziel ist es, Behandlungen stärker an die individuelle Anatomie eines Patienten anzupassen.
Dazu nutzt next3D unter anderem:
- medizinischen 3D-Druck,
- patientenspezifische Instrumente,
- Operationsmodelle,
- Augmented und Mixed Reality,
- chirurgische Navigation.
Ein Anwendungsgebiet ist die Neurochirurgie. Beispielsweise können auf Grundlage medizinischer Bilddaten individuelle Schablonen beziehungsweise Stereotaxiesysteme entstehen, die bei der Platzierung von Elektroden für die Tiefenhirnstimulation helfen.
Auch anatomische Modelle für die Planung komplizierter Operationen lassen sich mit 3D-Druck herstellen. Aktuell spielt zusätzlich Spatial Computing eine große Rolle. Dabei werden medizinische Bilddaten mithilfe von Datenbrillen räumlich in das Sichtfeld der Operierenden eingeblendet.
BfMC: Medizintechnik für Bewegung und Rehabilitation
Die BfMC Biofeedback Motor Control GmbH wurde 1997 in Leipzig gegründet und hat ihren Sitz in Plagwitz. Das Unternehmen entwickelt und produziert computergestützte Test- und Trainingssysteme für den menschlichen Bewegungsapparat. Schwerpunkte sind:
- Rehabilitation,
- Physiotherapie,
- Arbeitsmedizin,
- Prävention,
- Diagnostik und
- Leistungssport.
Dabei werden Bewegungen und Muskelkräfte erfasst und über Biofeedbacksysteme ausgewertet. Patienten beziehungsweise Trainierende erhalten während einer Übung unmittelbar Rückmeldung über ihre Bewegung und Belastung.
Das Unternehmen knüpft dabei auch an die lange Tradition der Leipziger Sportwissenschaft an. Firmengründer Georg Blümel arbeitete zuvor am Forschungsinstitut für Körperkultur und Sport, dem heutigen Institut für Angewandte Trainingswissenschaft.
Der BioCity Campus als Zentrum
Ein erheblicher Teil der jüngeren Leipziger Medizintechnik konzentriert sich rund um den Deutschen Platz und die Alte Messe.
Hier liegen beziehungsweise arbeiten in unmittelbarer Nähe:
- Universität Leipzig,
- Universitätsklinikum Leipzig,
- BioCity Leipzig,
- Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie,
- Fraunhofer IWU,
- Max-Planck-Institute und
- zahlreiche Life-Science-Unternehmen.
Diese räumliche Nähe ist für Medizintechnik besonders wertvoll. Neue Geräte können nur erfolgreich entwickelt werden, wenn Ingenieure die Anforderungen von Ärzten und Patienten genau verstehen.
Ein Beispiel ist das Zentrum zur Erforschung der Stütz- und Bewegungsorgane (ZESBO). Dort arbeiten das Fraunhofer IWU und die Universitätsmedizin gemeinsam an biomechanischen Fragestellungen und Medizinprodukten. Forschungsschwerpunkte sind unter anderem Implantate und deren Fertigung.
Medical Forge unterstützt junge Medizintechnikunternehmen
Mit der Medical Forge Leipzig entstand auf dem BioCity Campus zudem ein spezielles Unterstützungsangebot für Medizintechnik-Start-ups. Der Accelerator hilft jungen Unternehmen bei besonders schwierigen Fragen der Branche, beispielsweise:
- Zulassung von Medizinprodukten,
- regulatorischen Anforderungen,
- klinischer Evidenz,
- Marktzugang und
- Kostenerstattung.
Zur Infrastruktur gehören Laborflächen, 3D-Druck und Elektronikarbeitsplätze. Gleichzeitig besteht Zugang zu Partnern wie dem Universitätsklinikum Leipzig und dem Klinikum St. Georg.
Für Medizintechnik-Start-ups ist das ein wichtiger Vorteil: Eine gute technische Idee allein reicht in der Medizin meist nicht. Produkte müssen umfangreiche Sicherheits-, Qualitäts- und Zulassungsanforderungen erfüllen.
Neue Schnittstelle zwischen Klinik und Unternehmen
2026 wurde das Leipziger Innovationsumfeld noch einmal erweitert. Das Universitätsklinikum gründete die MITCenter – Zentrum für medizinische Innovation und Technologie gGmbH. Die neue UKL-Tochter soll Forschungsergebnisse und klinische Ideen schneller mit Unternehmen zusammenbringen und in konkrete Anwendungen überführen. Ihren Standort hat die Gesellschaft ebenfalls auf dem BioCity Campus.
Damit wird die Verbindung zwischen Universitätsmedizin und Wirtschaft weiter institutionalisiert.
Forschung als Standortvorteil
Neben Unternehmen spielt das Fraunhofer IWU eine wichtige Rolle für die Leipziger Medizintechnik. Die Forschung reicht von neuen Implantaten über Präzisions- und Mikrofertigung bis zu patientenspezifischen Produkten. Medizinische CT-Daten können beispielsweise genutzt werden, um Implantate individuell an die Anatomie eines Patienten anzupassen.
2026 rückte Leipzig außerdem international beim Thema digitale Operationsunterstützung in den Fokus. Beim ersten European Spatial Computing Healthcare Summit wurden Anwendungen von Datenbrillen und Robotersystemen in der Chirurgie präsentiert. Entwicklungen des Fraunhofer IWU und des Universitätsklinikums nutzen dabei räumlich dargestellte MRT- und andere Bilddaten zur Unterstützung bei minimalinvasiven Operationen.
Leipzigs Medizintechnik ist stark spezialisiert
Im Vergleich zu großen klassischen Medizintechnikstandorten findet sich in Leipzig weniger die massenhafte Produktion von Standardgeräten. Auffällig ist vielmehr die Spezialisierung.
CORTEX konzentriert sich auf Leistungs- und Herz-Lungen-Diagnostik, FAN auf Atemtests, Gamma-Service Medical auf medizinische Bestrahlungstechnik, Sonovum auf neurologische Überwachung und next3D auf personalisierte chirurgische Lösungen.
Gerade solche Nischenprodukte können international interessant sein. Medizintechnik aus Leipzig wird deshalb teilweise weltweit vertrieben, obwohl viele der Unternehmen eher mittelständisch geprägt sind.
Wirtschaftliche Bedeutung
Die Medizintechnik ist Teil eines größeren Leipziger Life-Science-Clusters, zu dem außerdem Biotechnologie, Diagnostik, Pharmaforschung, Gesundheitswirtschaft und universitäre Medizin gehören. Ihre wirtschaftliche Bedeutung liegt nicht allein in der Zahl der Unternehmen. Medizintechnik schafft vergleichsweise wissensintensive Arbeitsplätze für Ingenieure, Informatiker, Naturwissenschaftler, medizinische Fachkräfte und Spezialisten für regulatorische Fragen. Hinzu kommt ein weiterer Vorteil: Forschungsergebnisse aus Universität und Kliniken können zu neuen Unternehmen und Produkten führen. Next3D ist ein Beispiel für einen solchen Technologietransfer.
Fazit
Leipzig besitzt keine riesige Medizintechnikindustrie mit wenigen dominierenden Konzernen. Stattdessen hat sich ein spezialisiertes Netzwerk mittelständischer Unternehmen, Start-ups, Kliniken und Forschungseinrichtungen entwickelt.
CORTEX liefert Spiroergometriesysteme für Medizin und Sport, FAN entwickelt Atemgasdiagnostik und Gamma-Service Medical baut medizinische Bestrahlungsanlagen. BfMC verbindet Rehabilitation mit Biofeedbacktechnik, während Unternehmen wie Sonovum und next3D an nicht-invasiver Neurodiagnostik, künstlicher Intelligenz, 3D-Druck und digital unterstützter Chirurgie arbeiten.
Vor allem die räumliche Nähe von BioCity Campus, Universität, Universitätsklinikum und Fraunhofer-Forschung macht Leipzig für die Branche interessant. Damit liegt eine der Stärken des Standortes genau dort, wo sich moderne Medizintechnik zunehmend entwickelt: an der Schnittstelle von Medizin, Ingenieurwissenschaften, Software und Forschung.
Hinweis: Dieser Text wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt und von der Redaktion geprüft.