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Sachsen befindet sich in geografisch idealer Lage, um vielfältige Kontakte zu seinen Nachbarregionen in Polen und Tschechien zu pflegen. Diese grenzüberschreitenden Partnerschaften sind nicht nur geschichtlich begründet, sondern tragen auch nachhaltig zur wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Entwicklung der betroffenen Gebiete bei. In den letzten Jahrzehnten ist eine Vielzahl an Projekten entstanden, die Regionen und Menschen zusammenbringen – von Euroregionen über Interreg-Programme bis hin zu gemeinsamen Bildungs- und Kulturinitiativen. Im Folgenden stellen wir einige wichtige Kooperationen und Projekte vor, die aktuell aktiv sind.
1. Euroregionen als Motor der Zusammenarbeit
1.1 Euroregion Neisse-Nisa-Nysa
Die Euroregion Neisse-Nisa-Nysa (gegründet 1991) ist eine der ältesten trilateralen Euroregionen in Europa und umfasst Teile Sachsens, Niederschlesiens (Polen) und Nordböhmens (Tschechien). Ziel ist es, Barrieren an den Grenzen abzubauen und gemeinsame Projekte im Bereich Tourismus, Wirtschaft, Kultur und Umweltschutz zu fördern.
Aktuelle Projekte:
- Ausbau von Rad- und Wanderwegen (z. B. grenzübergreifende Wander- und Radkarten)
- Kultur- und Jugendbegegnungen (z. B. Deutsch-Polnisch-Tschechische Festivals)
- Kooperationen von Gemeinden in Fragen der Infrastruktur und Daseinsvorsorge
1.2 Euroregion Elbe-Labe
Die Euroregion Elbe-Labe umfasst Teile des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, die Stadt Dresden und Regionen auf der tschechischen Seite (z. B. Ústí nad Labem). Sie fördert gemeinsame Projekte im Bereich Umweltschutz, Verkehr, Kultur und Fremdenverkehr, um die Elbe-Region lebens- und liebenswerter zu gestalten.
Aktuelle Projekte:
- Naturschutz und Hochwasserschutz an der Elbe
- Interkulturelle Begegnungen in Schulen und Vereinen
- Grenzüberschreitendes Marketing für Tourismus (z. B. Kanu- und Dampfschifffahrten)
1.3 Euregio Egrensis
Die Euregio Egrensis deckt unter anderem das Vogtland in Sachsen, Teile Bayerns, Thüringens und Böhmens ab. Hier stehen vor allem die Förderung von Kultur und Tourismus sowie wirtschaftliche Zusammenarbeit im Vordergrund.
Aktuelle Projekte:
- Kulturkooperationen in Musik (z. B. gemeinsame Konzerte zwischen Sachsen und Böhmen)
- Veranstaltungen zu traditionellem Handwerk (Erzgebirge/Böhmen)
- Grenzüberschreitende Freizeitangebote (z. B. Langlauf-Loipen, Mountainbikestrecken)
2. Interreg-Programme: EU-Förderung für Grenzregionen
Neben den Euroregionen ist das Interreg-Programm der EU ein zentraler Fördertopf für grenzüberschreitende Projekte. Sachsen ist in verschiedene Teilprogramme eingebunden:
2.1 Interreg VA Sachsen–Tschechien
Dieses Programm zielt darauf ab, die Zusammenarbeit zwischen sächsischen und tschechischen Partnern zu intensivieren. Gefördert werden Projekte in den Bereichen Innovation, Umweltschutz, Bildung, Tourismus und Mobilität.
Beispiele:
- Sächsisch-Böhmische Silberstraße: Vermarktung gemeinsamer Montan- und Bergbautraditionen (z. B. Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří – UNESCO-Welterbe).
- Grenzüberschreitendes Rettungswesen: Einsatz von grenzübergreifenden Rettungs- und Feuerwehrteams, Austausch von Fachkräften.
- Bildungskooperationen: Partnerprojekte zwischen Schulen, gemeinsame Sprachförderung, Schüleraustausch.
2.2 Interreg VA Sachsen–Polen
Auch in der Lausitz oder im östlichen Sachsen profitieren Kommunen, Vereine und Unternehmen von dem Interreg-Programm für die deutsch-polnische Grenzregion.
Beispiele:
- Zukunft Lausitz (Strukturwandel): Projekte zur Förderung von Start-ups, zu erneuerbaren Energien und zur Erschließung alternativer Wirtschaftszweige nach dem Braunkohleausstieg (mehr Informationen unter Braunkohle Sachsen).
- Touristisches Netzwerk Neiße: Entstehung grenzüberschreitender Rad- und Wanderwege, Marketing der Lausitz als gemeinsames Reiseziel.
- Kulturelle Festivals: Deutsch-Polnische Musik- und Theaterwochen, die die Region beidseits der Neiße beleben.
3. Bildung und Wissenschaft: Grenzüberschreitende Hochschulkooperationen
Auch im Hochschul- und Wissenschaftsbereich existieren enge Beziehungen. Die TU Dresden, die Hochschule Zittau/Görlitz, die Universität Leipzig und andere sächsische Hochschulen haben Partner in Wrocław (Breslau), Prag und Liberec.
Beispiele:
- Zittauer Hochschuldreieck: Kooperation der Hochschule Zittau/Görlitz mit der Technischen Universität Liberec (Tschechien) und der Universität Wrocław (Polen). Gemeinsame Studiengänge, Forschungsprojekte und Austauschprogramme fördern den trinationalen Dialog.
- Grenzüberschreitende Forschungscluster: Themen wie Wasserstoff-Technologie, Geologie oder Elektromobilität werden gemeinsam bearbeitet, um Synergien zu schaffen.
4. Kulturelle Kooperationen und Festivals
Sachsen, Polen und Tschechien blicken auf eine teils gemeinsame Geschichte, etwa in ehemaligen Markgrafschaften oder Königreichen. Zahlreiche Kulturprojekte pflegen diesen reichen Erbe.
- Schlesisches Musikfestival (D/PL): Orchester und Chöre aus Sachsen und Polen treten auf, oft in historischen Konzertorten.
- Trilaterale Jugendfestivals: Regelmäßig werden Jugendbegegnungen und Festivals mit Workshops, Konzerten und Theater-Aufführungen organisiert, um die nachwachsende Generation für den interkulturellen Dialog zu begeistern.
- Deutsch-Tschechisches Kulturjahr Dresden–Prag: Veranstaltungen zu Film, Literatur, Musik (saisonal wechselnd) stärken das Bewusstsein für gemeinsame Kultur und Sprache.
5. Grenzüberschreitende Verkehrs- und Infrastrukturprojekte
5.1 Ausbau der Bahnverbindungen
Die Bahnkorridore zwischen Dresden und Prag sowie zwischen Görlitz (D) – Zgorzelec (PL) bzw. zwischen Leipzig und dem polnischen Wrocław (Breslau) stehen im Fokus, um Reisezeiten zu verkürzen und den grenzüberschreitenden Pendelverkehr zu verbessern. Neue und modernisierte Strecken – teils mit EU-Förderung – sollen das Bahnfahren attraktiver machen.
5.2 Rad- und Wanderwege
Das Erzgebirge und die Sächsische Schweiz profitieren stark von Wanderwegen, die ins tschechische Elbsandsteingebirge übergehen (z. B. Malerweg – Pravčická brána). Auch entlang der Neiße oder der Lausitzer Seen entsteht ein dichtes Netzwerk von Routen, die grenzüberschreitend genutzt werden können. Oft sind diese Initiativen Teil größerer Tourismus-Kampagnen, finanziert über Interreg oder Euroregion-Fonds.
6. Touristische Projekte: Gemeinsame Vermarktung
Gerade im Bereich Tourismus ist die Zusammenarbeit intensiv, da Besucher oft beide Grenzseiten erkunden wollen:
- Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří (UNESCO-Welterbe): Intensive Kooperation von Museen, Bergbaustätten und Tourismusverbänden beiderseits der Grenze, um die Vielfalt der Bergbaugeschichte zu präsentieren.
- Die Sächsisch-Böhmische Schweiz: Gemeinsame Werbekampagnen, zweisprachige Informationsmaterialien und gemeinsame Nationalparkprojekte zum Schutz der Natur.
7. Zukunft und Perspektiven: Möglichkeiten der Zusammenarbeit
Während grenzüberschreitende Projekte schon viel erreicht haben, besteht weiterhin Potenzial, die internationalen Kooperationen zu stärken:
- Digitalisierung: Gemeinsame digitale Plattformen für Behörden und Bürgerservices (z. B. Online-Formulare, e-Government) könnten den Alltag erleichtern.
- Fachkräftesicherung: Trinationale Jobbörsen, berufliche Austauschprogramme und mehrsprachige Ausbildungsprogramme könnten den Fachkräftemangel abmildern.
- Umweltschutz: Luftreinhaltung, Wasserschutz (Elbe/Neiße) und Klimaschutz erfordern enge Koordination zwischen den drei Ländern.
- Kulturelle Verständigung: Zahlreiche Kulturprojekte sind bereits angelaufen, doch gerade kleine Initiativen in den Grenzregionen brauchen weiterhin Förderung und öffentliche Aufmerksamkeit.
Zusammenarbeit ist wichtiger denn je
Die internationale Zusammenarbeit mit den Nachbarregionen in Polen und Tschechien ist für Sachsen heute wichtiger denn je. Zahlreiche Programme – von Interreg-Projekten über Euroregionen bis hin zu Forschungs-, Kultur- und Verkehrsinitiativen – tragen maßgeblich dazu bei, Grenzen aufzubrechen und aus benachbarten Landstrichen einen gemeinsamen Lebens- und Wirtschaftsraum zu formen.
Die Vielfalt der vorgestellten Projekte, ob in Tourismus, Wirtschaft, Kultur oder Bildung, zeigt das Engagement aller Beteiligten. Und es wird deutlich: Zusammenarbeit lohnt sich – sowohl für die Menschen beidseits der Grenze, die vom gegenseitigen Austausch profitieren, als auch für die nachhaltige Entwicklung der gesamten Region in einem zusammenwachsenden Europa.