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Von der Stein-, Bronze- und Eisenzeit bis heute
Sachsen ist heute als Kultur-, Industrie- und Wissenschaftsland bekannt – doch seine Geschichte reicht weit in die Vorzeit zurück. Schon in der Steinzeit lebten Menschen zwischen Elbe, Mulde und Erzgebirge. Später prägten Bronze- und Eisenzeit, germanische und slawische Siedlungen, die Christianisierung, das Mittelalter mit Markgrafen und Städten, die Reformation, der Glanz des Barock unter August dem Starken, der industrielle Wandel, zwei Weltkriege, die DDR-Zeit und schließlich die Entwicklung des Freistaats im wiedervereinigten Deutschland.
Der folgende Überblick bietet zuerst einen Zeitstrahl mit den wichtigsten Stationen – anschließend vertiefende Kapitel.
Zeitstrahl: Die wichtigsten Ereignisse in Sachsen
| Zeit / Jahr | Ereignis | Bedeutung für Sachsen |
|---|---|---|
| ab ca. 300.000 v. Chr. | Frühe Menschen im Gebiet des heutigen Sachsen | Nachweise von Jägern und Sammlern in Mitteleuropa; frühe Besiedlung des Elbtals |
| ca. 5500–2200 v. Chr. | Jungsteinzeit: Ackerbau & Sesshaftigkeit | Dörfer, Keramik, erste feste Siedlungsstrukturen |
| ca. 2200–800 v. Chr. | Bronzezeit | Handel, Metallverarbeitung, soziale Differenzierung |
| ca. 800 v. Chr.–100 n. Chr. | Eisenzeit | Ausbau von Siedlungen, regionale Machtzentren, stärkere Fernkontakte |
| ca. 6.–10. Jh. | Slawische Besiedlung (u. a. Sorben) | Prägt die Oberlausitz und Teile Sachsens bis heute (Ortsnamen, Kultur) |
| 10. Jh. | Ostkolonisation & deutsche Herrschaftsbildung | Gründung von Burgen, Marken, Ausweitung kirchlicher und weltlicher Strukturen |
| ab 1123 | Wettiner werden Markgrafen von Meißen | Beginn der wettinischen Prägung Sachsens (Dynastie prägt Jahrhunderte) |
| 12.–14. Jh. | Stadtgründungen & Bergbau | Aufstieg von Leipzig, Dresden, Freiberg; Silberbergbau als Wohlstandsmotor |
| 1423 | Sachsen wird Kurfürstentum | Politischer Machtzuwachs im Heiligen Römischen Reich |
| 1517–1539 | Reformation erreicht Sachsen | Sachsen wird Kernland der Reformation; neue Kirchen- und Bildungsordnung |
| 1618–1648 | Dreißigjähriger Krieg | Verwüstung, Bevölkerungsverluste – langfristige Folgen für Wirtschaft und Städte |
| 1697–1733 | August der Starke | Barocke Glanzzeit; Dresden wird europäische Kunst- und Residenzmetropole |
| 1806 | Königreich Sachsen | Rangaufstieg; Sachsen wird Königreich in napoleonischer Zeit |
| 1815 | Wiener Kongress: Gebietsverluste | Große Teile fallen an Preußen; Sachsen bleibt aber eigenständig |
| 19. Jh. | Industrialisierung | Sachsen wird führende Industrieregion (Textil, Maschinenbau, Chemie) |
| 1914–1918 | Erster Weltkrieg | Umbruch, Kriegsfolgen; Ende der Monarchie 1918 |
| 1918 | Freistaat Sachsen | Monarchie endet, Sachsen wird republikanisch |
| 1933–1945 | NS-Zeit & Zweiter Weltkrieg | Verfolgung, Zerstörung; 1945 schwere Kriegsfolgen, u. a. Dresden |
| 1949–1990 | DDR-Zeit | Sozialistische Umgestaltung, Industrieausbau, später wirtschaftliche Probleme |
| 1989 | Friedliche Revolution | Leipzig wird Symbolort der Proteste; Weg zur Einheit |
| 1990 | Wiedergründung des Freistaats Sachsen | Neubeginn im vereinigten Deutschland, Transformationsphase |
| ab 2000er | Strukturwandel & Hochtechnologie | Halbleiter, Forschung, neue Industriecluster, zugleich demografische Herausforderungen |
| 2025 | Chemnitz Kulturhauptstadt Europas | Internationaler Fokus auf Kultur, Transformation und Region |
Von der Steinzeit zur Sesshaftigkeit: Leben vor der Geschichte
Steinzeit (Alt-, Mittel- und Jungsteinzeit)
In der Altsteinzeit lebten Menschen als Jäger und Sammler in wechselnden Klimaphasen. Flusstäler wie Elbe und Mulde boten Wasser, Wild und Orientierung. Mit dem Ende der Eiszeit begann die Mittelsteinzeit: Wälder breiteten sich aus, Jagd- und Sammelstrategien änderten sich.
Der entscheidende Wendepunkt kam in der Jungsteinzeit: Menschen wurden sesshaft, betrieben Ackerbau, hielten Tiere und bauten dauerhafte Siedlungen. Damit entstanden erste Formen von Arbeitsteilung und sozialer Organisation – die Grundlagen späterer Kulturen.
Bronzezeit: Handel, Metall und neue Machtstrukturen
Mit der Bronzezeit setzte ein technologischer Sprung ein. Bronze (Kupfer + Zinn) ermöglichte bessere Werkzeuge, Schmuck und Waffen. Gleichzeitig wuchsen überregionale Handelsnetze – Rohstoffe mussten beschafft und verarbeitet werden.
In Sachsen belegen archäologische Funde eine zunehmende Differenzierung: Grabbeigaben und Siedlungsspuren weisen auf wachsende soziale Unterschiede und regionale Zentren hin.
Eisenzeit: Regionale Zentren und kulturelle Vielfalt
In der Eisenzeit wurden Werkzeuge und Waffen robuster und günstiger herzustellen. Dadurch veränderten sich Landwirtschaft, Handwerk und Kriegsführung. Im Gebiet des heutigen Sachsen entwickelten sich über Jahrhunderte stabile Siedlungsräume und Verkehrsverbindungen. Die Region lag im Übergangsraum zwischen verschiedenen Kulturkreisen Mitteleuropas – eine Lage, die später auch politisch bedeutsam wurde.
Frühmittelalter: Slawen, Sorben und die Entstehung neuer Herrschaften
Ab dem 6. Jahrhundert prägten slawische Gruppen weite Teile Ostdeutschlands, darunter die Sorben in der Lausitz. Viele Ortsnamen in Sachsen gehen bis heute auf diese Zeit zurück.
Mit der Expansion des ostfränkisch-deutschen Reiches im 10. Jahrhundert entstanden Burgen, Marken und kirchliche Strukturen. Sachsen wurde schrittweise in die politischen und kirchlichen Ordnungen des Reiches eingebunden.
Hochmittelalter: Wettiner, Städteboom und Silberbergbau
Ein Schlüsselereignis war der Aufstieg der Wettiner, die ab dem 12. Jahrhundert die Markgrafschaft Meißen prägten. Parallel wuchsen Städte wie Leipzig, Dresden und Freiberg – begünstigt durch Handel, günstige Lage an Verkehrswegen und vor allem durch den Bergbau.
Der Bergbau als Wohlstandsmotor
Silber- und Erzvorkommen – besonders im Raum Freiberg und später im Erzgebirge – machten Sachsen reich. Bergstädte entstanden, Fachwissen entwickelte sich, und sächsische Montantraditionen gewannen europaweite Bedeutung.
Reformation: Sachsen als Kernland einer neuen Bewegung
Sachsen war eines der wichtigsten Zentren der Reformation. Die Nähe zu Wittenberg, der Schutz reformatorischer Ideen durch Teile der politischen Elite sowie die Verbreitung über Universitäten und Städte machten die Region zum Motor religiöser und gesellschaftlicher Umbrüche. Reformation bedeutete dabei nicht nur neue Glaubensformen, sondern auch einen Umbau von Bildung, Verwaltung und Kultur.
Barock und Glanzzeit: Dresden als „Elbflorenz“
Unter August dem Starken erlebte Sachsen eine Phase repräsentativer Blüte. Dresden wurde zu einer der prächtigsten Residenzstädte Europas. Architektur, Kunstsammlungen, Musik und höfische Kultur wurden gezielt gefördert. Diese Epoche prägt Dresdens Ruf als Kulturstadt bis heute – viele berühmte Bauwerke und Sammlungen gehen auf diese Zeit zurück.
19. Jahrhundert: Königreich, Reformen und Industrialisierung
Sachsen wurde im frühen 19. Jahrhundert zum Königreich und musste nach dem Wiener Kongress 1815 erhebliche Gebietsverluste hinnehmen. Trotzdem blieb es wirtschaftlich dynamisch: Sachsen entwickelte sich zu einer der führenden Regionen der Industrialisierung in Deutschland – mit Textilindustrie, Maschinenbau, Druck- und Verlagswesen sowie später Chemie.
Leipzig spielte dabei als Messe- und Buchstadt eine zentrale Rolle, Chemnitz wurde zu einem der wichtigsten Industriezentren („sächsisches Manchester“).
20. Jahrhundert: Kriege, Systemwechsel und Neuaufbau
Erster Weltkrieg und Ende der Monarchie
Nach 1918 endete die Monarchie, Sachsen wurde erneut zum Freistaat. Politische Instabilität, wirtschaftliche Krisen und gesellschaftliche Spannungen prägten die Zeit.
NS-Zeit und Zweiter Weltkrieg
Die nationalsozialistische Diktatur brachte Verfolgung, Krieg und Zerstörung. Sachsen war stark betroffen, besonders Städte wie Dresden (1945) wurden schwer zerstört.
DDR-Zeit (1949–1990)
Sachsen wurde Teil der DDR. Viele Regionen waren industrielle Kernräume – Maschinenbau, Chemie, Energie. Gleichzeitig entstand ein stark zentralisiertes politisches System, das gesellschaftliche Freiheiten einschränkte. In den 1980er Jahren wuchsen wirtschaftliche Probleme und Unzufriedenheit.
1989/90 bis heute: Friedliche Revolution, Transformation und neue Stärke
Die Friedliche Revolution hatte in Sachsen einen ihrer zentralen Schauplätze – allen voran Leipzig mit den Montagsdemonstrationen. Nach 1990 begann eine Phase tiefgreifender Transformation: wirtschaftliche Umstrukturierung, Modernisierung der Infrastruktur, Neubewertung von Identität und Kultur.
Heute steht Sachsen für:
- Hochtechnologie (u. a. Mikroelektronik in Dresden)
- starken Mittelstand und Industrie (z. B. Automobilregionen)
- Kultur und Tourismus (Dresden, Leipzig, Oberlausitz, Erzgebirge)
- zugleich demografische Herausforderungen in ländlichen Räumen
Fazit
Die Geschichte Sachsens ist eine Geschichte von Innovation, Wandel und kultureller Strahlkraft – vom frühen Leben in der Steinzeit über mittelalterliche Machtbildung bis zur modernen Hightech-Region. Der Freistaat ist geprägt von Traditionen (Bergbau, Handwerk, Kultur) und zugleich von einem starken Gestaltungswillen für die Zukunft.