+ 49 (0) 173 6920152
Wenn morgens der Dampf aus dem Schornstein steigt, das monotone Stampfen der Räder über die Gleise hallt und die kühle Bergluft den Geruch von Kohle und Tannennadeln mischt, erwacht die Fichtelbergbahn im Erzgebirge zu neuem Leben. Seit über einem Jahrhundert schnauft die historische Dampfeisenbahn bergauf und bergab durch die dichten Wälder zwischen Cranzahl und Oberwiesenthal. Mal majestätisch langsam, mal mit einem kräftigen Pfiff, zieht sie Hunderte von Schaulustigen und Fahrgäste in ihren Bann. Auf der Schmalspurbahn, die Sachsen um eine echte Attraktion reicher macht, erlebt man eine nostalgische Reise mitten durch das Herz des Erzgebirges.
Fakten zur Fichtelbergbahn
Spurweite | 750 mm (Schmalspurbahn) |
Streckenlänge | Ca. 17,4 Kilometer |
Streckenverlauf | Cranzahl – Neudorf – Kretscham-Rothensehma – Niederschlag – Oberwiesenthal |
Fahrzeit | Rund 60 Minuten je Richtung |
Fahrplan | Ganzjähriger Betrieb, in der Regel mehrere Fahrten pro Tag (tagesaktuelle Infos unter www.fichtelbergbahn.de) |
Preise (Erwachsene) | Einzelfahrt ab ca. 11 €, Hin- und Rückfahrt ab ca. 18 € (Stand: aktuelles Jahr, Ermäßigungen möglich) |
Bahnhof Cranzahl | Adresse: Bahnhofstraße 7, 09465 Sehmatal-Cranzahl |
Bahnhof Oberwiesenthal | Adresse: Bahnhofstraße 22, 09484 Kurort Oberwiesenthal |
Betreiber | Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft (SDG) |
Besonderheiten | Nostalgische Dampflokomotiven, historisches Wagenmaterial, Panoramablick auf den Fichtelberg |
Die genannten Preise und Fahrpläne dienen zur Orientierung und können sich je nach Saison und Betreiberänderungen leicht ändern.
Historie der Fichtelbergbahn
Die Geschichte der Fichtelbergbahn beginnt am 1. Juli 1897, als die Bahnstrecke Cranzahl–Oberwiesenthal feierlich eröffnet wurde. Man wollte die aufstrebende Kur- und Wintersportregion Oberwiesenthal besser an das Schienennetz anbinden, um Waren, Rohstoffe und natürlich Touristen komfortabel und ganzjährig befördern zu können. In den ersten Jahrzehnten spielten Güterverkehr und Holztransporte eine bedeutende Rolle; später rückte der Personenverkehr verstärkt in den Fokus.
Während viele andere Schmalspurbahnen in Sachsen nach 1990 eingestellt oder abgebaut wurden, gelang es dank engagierter Unterstützer, die Fichtelbergbahn zu erhalten und umfassend zu modernisieren. Im Jahr 1998 übernahm die Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft (SDG) den Betrieb und führt seitdem mit viel Liebe zum historischen Detail und regelmäßigen Sonderfahrten das Erbe weiter. Heute gilt die Fichtelbergbahn als eine der letzten echten Dampfbahnen im Regelbetrieb und zieht Bahnnostalgiker wie Familien gleichermaßen an.
Die Strecke: Von Cranzahl zum Fichtelberg
Cranzahl – Ausgangspunkt mit Charme
Los geht die Fahrt im idyllischen Cranzahl, wo Lokführer und Heizer den Dampfkessel befeuern und die Waggons für die Abfahrt vorbereiten. Noch bevor sich die Bahn in Bewegung setzt, kann man in aller Ruhe den Bahnhof bestaunen, in dem sich teils historische Technik erhalten hat.
Entlang der Ortschaften: Neudorf und Kretscham-Rothensehma
Nach wenigen Minuten schnauft die Dampflok bergauf. In Neudorf lohnt sich ein kurzer Blick auf die traditionellen erzgebirgischen Häuser, die sich in die waldreiche Landschaft schmiegen. Die nächste Station ist Kretscham-Rothensehma, wo der Lokführer manchmal den Wasservorrat auffüllt. Die Bahnstrecke folgt malerisch dem Talverlauf und überquert kleine Brücken, während die Schornsteine in den Ortschaften bereits die nächste Station ankündigen.
Niederschlag: Naturidylle und Waldkulisse
In Niederschlag wird es romantisch: dichte Fichtenwälder, schmale Pfade und Bergwiesen säumen die Schienen. Oft grüßen Wanderer von den Wanderwegen aus, denn die Region um Niederschlag ist bei Naturfreunden sehr beliebt. Wer sich für den Wintersport interessiert, findet hier Spuren und Loipen, die an die Eisenbahnstrecke angrenzen.
Oberwiesenthal: Ankunft am Kurort
Nach rund einer Stunde Dampfabenteuer endet die Reise auf 944 Meter Höhe im Kurort Oberwiesenthal, Deutschlands höchstgelegener Stadt. Von hier aus blickt man auf den 1215 Meter hohen Fichtelberg, der ein beliebtes Wintersport- und Wanderziel ist. Der historische Bahnhof lädt zum Entdecken ein und bietet die Möglichkeit, in nahegelegene Cafés und Restaurants zu schlendern oder mit der Schwebebahn den Gipfel des Fichtelbergs zu erkunden.
Ausflugstipps, Führungen und Veranstaltungen
Wandern und Wintersport
- Rund um Oberwiesenthal erstreckt sich ein dichtes Netz an Wanderwegen und Loipen. Sowohl im Sommer als auch im Winter lohnt sich ein Ausflug auf den Fichtelberg.
- Die Schwebebahn Oberwiesenthal befördert Besucher bequem auf den Gipfel.
Lokführererlebnis und Führungen
- Die SDG bietet gelegentlich Lokführerkurse für Gäste oder Führungen durch Lokschuppen und Werkstätten an, bei denen man mehr über Dampftechnik und Wartungsarbeiten erfährt.
- Am Bahnhof Cranzahl kann man die Dampfloks hautnah erleben, wenn sie mit Kohle und Wasser versorgt werden.
Veranstaltungen
- Dampf- und Bahnhofsfeste: Mehrmals im Jahr finden Feste statt, bei denen sich mehrere historische Dampfloks treffen und Sondereinsätze fahren.
- Winter- und Adventsfahrten: In der kalten Jahreszeit zieht die Bahn durch verschneite Wälder – ein traumhaftes Erlebnis, besonders zu den Weihnachtsmärkten in Oberwiesenthal oder Neudorf.
Kombinierte Erlebnisse
Wer möchte, kann eine Bahnfahrt mit einer Brauereiführung, Besuchen von Holzkunst-Manufakturen oder dem Wintersportmuseum verbinden. So wird der Tagesausflug zur abwechslungsreichen Tour.
Ein Klassiker im Erzgebirge
Die Fichtelbergbahn ist eine lebendige Zeitreise ins Erzgebirge, die Dampfnostalgie mit herrlichem Bergpanorama verbindet. Ob mit der Familie, als Eisenbahnliebhaber oder Genussreisender – eine Fahrt auf der Schmalspurbahn zwischen Cranzahl und Oberwiesenthal bietet authentisches Erlebnis und einen tiefen Einblick in die erzgebirgische Lebensart. Und wer einmal den rauchigen Duft der Lok geschnuppert hat, der wird garantiert wiederkommen, um die Wälder, Brücken und romantischen Täler am Fichtelberg zu durchstreifen.