Wasserkunst zwischen Barock, Stadtentwicklung und Erinnerungskultur

Dresden ist nicht nur für Frauenkirche, Zwinger und Semperoper bekannt. Auch zahlreiche Brunnen prägen seit Jahrhunderten Plätze, Parks und Straßenzüge der Stadt. Manche entstanden ursprünglich zur Wasserversorgung, andere waren von Anfang an als repräsentative Kunstwerke gedacht. Wieder andere erinnern an historische Ereignisse oder spiegeln die Stadtplanung ihrer jeweiligen Epoche wider.

Heute gibt es in Dresden mehr als 300 Brunnen und Wasserspiele. Rund 100 Anlagen befinden sich in städtischer Verantwortung. Damit zählt Dresden nach Angaben der Landeshauptstadt zu den brunnenreichsten Städten Deutschlands.

Die Geschichte der Dresdner Brunnen erzählt zugleich viel über die Entwicklung der Stadt: von der Residenzstadt des Barock über das industrielle 19. Jahrhundert und die Zerstörung von 1945 bis hin zum sozialistischen Städtebau und zur Rekonstruktion nach 1990.

Brunnen waren früher Teil der Wasserversorgung

Heute dienen Brunnen in erster Linie als Gestaltungselemente und Sehenswürdigkeiten. Historisch hatten sie jedoch häufig eine wesentlich praktischere Funktion.

Bevor zentrale Wasserleitungen selbstverständlich wurden, mussten Einwohner Wasser aus Brunnen, Quellen und öffentlichen Entnahmestellen beziehen. Mit dem Wachstum Dresdens wurde eine zuverlässige Versorgung immer wichtiger. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts entstanden leistungsfähige technische Systeme zur zentralen Wasserversorgung.

Ein interessantes Zeugnis dieser Übergangszeit ist der Artesische Brunnen am Albertplatz. Er wurde zwischen 1832 und 1836 angelegt, um die Dresdner Neustadt mit sauberem Wasser zu versorgen.

Gleichzeitig entwickelte sich der Brunnen zunehmend zum Kunstobjekt. Vor allem im 18. und 19. Jahrhundert entstanden aufwendige Anlagen, bei denen Bildhauerei, Architektur und Wasserspiel miteinander verbunden wurden.

Neptunbrunnen in Friedrichstadt: Dresdner Barock abseits der Altstadt

Zu den bedeutendsten historischen Brunnen Dresdens gehört der Neptunbrunnen auf dem Gelände des heutigen Krankenhauses Dresden-Friedrichstadt.

Die monumentale Anlage wurde nach einem Entwurf des französischen Architekten Zacharias Longuelune geschaffen. Der Bildhauer Lorenzo Mattielli setzte den Entwurf zwischen 1741 und 1746 in Stein um.

Im Mittelpunkt steht der römische Meeresgott Neptun. Die gesamte Komposition folgt der barocken Vorstellung einer theatralischen Inszenierung: Figuren, Architektur und Wasser bilden eine Einheit.

Dass sich ein derart aufwendiger Brunnen gerade in Friedrichstadt befindet, hängt mit der höfischen Nutzung des Gebietes zusammen. Das heutige Krankenhaus geht auf das frühere Palais des Grafen Heinrich von Brühl zurück.

Über Jahrhunderte setzte Witterung dem Sandstein erheblich zu. Zwischen Ende der 2000er-Jahre und 2013 wurde die Anlage deshalb umfassend restauriert. Nach fast vierjähriger Sanierung konnte der Brunnen im Mai 2013 wieder in Betrieb gehen. Die Kosten lagen bei rund 1,8 Millionen Euro.

Heute gehört der Neptunbrunnen zu den eindrucksvollsten Beispielen barocker Wasserkunst in Dresden – obwohl er außerhalb der üblichen touristischen Hauptwege liegt.

Cholerabrunnen: Dank für die Verschonung vor einer Epidemie

Kaum ein Dresdner Brunnen trägt seine Entstehungsgeschichte so deutlich im Namen wie der Cholerabrunnen.

Er wurde von Eugen Freiherr von Gutschmid gestiftet, nachdem Dresden von der schweren Choleraepidemie verschont geblieben war, die 1840 und 1841 Teile Sachsens heimsuchte. Der Brunnen wurde 1846 auf dem damaligen Postplatz aufgestellt. Den Entwurf lieferte Gottfried Semper.

Optisch unterscheidet er sich deutlich von vielen anderen Wasserspielen. Die etwa 17 Meter hohe Konstruktion erinnert eher an einen neugotischen Kirchturm als an einen klassischen Springbrunnen.

Auch die Symbolik verweist auf das Thema Gesundheit. Figuren von Heiligen stehen in Nischen, während fantastische Wasserspeier auf die Gefahren verunreinigten Wassers anspielen. Damit ist der Brunnen zugleich Denkmal, Kunstwerk und Hinweis auf die historische Bedeutung sauberer Wasserversorgung.

1927 wurde der Cholerabrunnen vom Postplatz an seinen heutigen Standort zwischen Taschenbergpalais und Zwinger versetzt. Dort befindet er sich an der Sophienstraße.

Artesischer Brunnen am Albertplatz: Wasser aus mehr als 200 Metern Tiefe

Eine besondere technische Geschichte besitzt der Artesische Brunnen in der Inneren Neustadt.

Zwischen 1832 und 1836 bohrten Freiberger Bergleute hier nach Wasser. Die Bohrung erreichte schließlich eine Tiefe von rund 243 Metern. Ziel war die Verbesserung der Wasserversorgung in der Neustadt.

Das Wasser gelangte aufgrund des natürlichen Drucks selbstständig nach oben – ein typisches Merkmal eines artesischen Brunnens.

Sein heutiges Erscheinungsbild erhielt die Anlage erst wesentlich später. Der tempelartige Säulenpavillon über dem Brunnen wurde 1905 und 1906 nach einem Entwurf des Dresdner Stadtbaurats Hans Erlwein errichtet.

Der Brunnen ist damit zugleich ein Zeugnis früher Ingenieurtechnik und städtischer Baukunst.

Die Anlage besteht aus mehreren Teilen: Brunnenhaus, Zierbecken und Entnahmestelle. Aufgrund der vergleichsweise hohen Wassertemperatur gehörte der Artesische Brunnen lange zu den wenigen Dresdner Anlagen, die auch im Winter betrieben werden konnten.

Stilles Wasser und Stürmische Wogen am Albertplatz

Nur wenige Schritte entfernt befinden sich zwei der bekanntesten monumentalen Brunnen Dresdens: Stilles Wasser und Stürmische Wogen.

Die gegenüberliegenden Anlagen wurden vom Bildhauer Robert Diez geschaffen. Die Brunnen entstanden gegen Ende des 19. Jahrhunderts und bilden ein bewusstes Gegensatzpaar. Die Güntz-Stiftung finanzierte die monumentale Anlage mit.

„Stilles Wasser“ zeigt ruhige, eher nachdenkliche Figuren und steht symbolisch für die friedliche Seite des Elements. „Stürmische Wogen“ präsentiert dagegen eine bewegte, dramatische Figurenkomposition.

Besonders wechselvoll ist die Geschichte von „Stürmische Wogen“. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Brunnen entfernt. An seiner Stelle entstand ein sowjetisches Ehrenmal. Erst nach der politischen Wende wurde die Anlage rekonstruiert und 1994 wieder am Albertplatz aufgestellt.

Auch „Stilles Wasser“ wurde Anfang der 1990er-Jahre restauriert.

Heute gehören beide Anlagen zu den bedeutendsten Brunnen der Stadt und sind zugleich Beispiele dafür, wie sich politische Veränderungen im öffentlichen Raum widerspiegeln.

Gänsediebbrunnen: eine ungewöhnliche Dresdner Geschichte

Deutlich verspielter ist der Gänsediebbrunnen in der Weißen Gasse unweit der Kreuzkirche.

Der Bildhauer Robert Diez schuf ihn zwischen 1876 und 1880 mit Unterstützung der Güntz-Stiftung. Ursprünglich stand der Brunnen auf dem Ferdinandplatz. Erst 1961 erhielt er seinen heutigen Standort.

Die bronzene Figur zeigt einen jungen Mann mit zwei Gänsen.

Hinter dem Motiv steckt eine historische Anekdote. Es soll sich um den Schweizer Gelehrten Thomas Platter handeln, der als junger Schüler durch Deutschland zog und Anfang des 16. Jahrhunderts auch Dresden besuchte. Der Überlieferung zufolge wurden für ein gemeinsames Mahl zwei Gänse gestohlen.

Der humorvolle Brunnen entwickelte sich zu einem der populärsten Werke von Robert Diez und trug wesentlich zu dessen Bekanntheit bei.

Brunnen als Mittel zur Verschönerung der Stadt

Im 19. Jahrhundert entstanden zahlreiche Dresdner Brunnen nicht mehr primär zur Wasserversorgung. Vielmehr sollten sie Plätze und Grünanlagen aufwerten.

Eine wichtige Rolle spielte dabei die Güntz-Stiftung. Sie war 1856 von Justus Friedrich Güntz gegründet worden und finanzierte neben sozialen Einrichtungen auch Projekte zur Verschönerung Dresdens.

Aus Mitteln der Stiftung entstanden beziehungsweise wurden unterstützt unter anderem:

  • der Gänsediebbrunnen,
  • die Brunnen „Stilles Wasser“ und „Stürmische Wogen“,
  • Gartenanlagen,
  • Denkmale und
  • weitere öffentliche Kunstwerke.

Allein für die beiden Brunnen am Albertplatz wurden Ende des 19. Jahrhunderts erhebliche Mittel bereitgestellt.

Damit zeigt sich, wie stark bürgerschaftliches Engagement die Gestaltung Dresdens beeinflusste.

Pusteblumen auf der Prager Straße: Wasserkunst der DDR-Moderne

Nicht alle bekannten Dresdner Brunnen stammen aus Barock oder Kaiserzeit. Auch die DDR hinterließ markante Wasserspiele.

Besonders bekannt sind die sogenannten Pusteblumen auf der Prager Straße. Die weit ausladenden Metallkonstruktionen erinnern an die Samenstände einer Löwenzahnblüte und wurden zu einem charakteristischen Element der Fußgängerzone.

Die Prager Straße war während der Luftangriffe im Februar 1945 nahezu vollständig zerstört worden. Ab Mitte der 1960er-Jahre entstand sie als moderne sozialistische Einkaufs- und Flaniermeile neu. Wasserspiele spielten bei der Gestaltung des großzügigen öffentlichen Raumes eine wichtige Rolle.

Nach dem Elbehochwasser 2002 wurde die Straße umfassend saniert. Dabei wurden drei der historischen Pusteblumen rekonstruiert und in die neu gestalteten Wasserbecken integriert.

Sie sind heute ein gutes Beispiel dafür, dass in Dresden nicht nur barockes Erbe bewahrt wird, sondern zunehmend auch Architektur und Kunst der Nachkriegsmoderne.

Brunnen auf der Prager Straße in Dresden

Foto: Tommy Halfter (DML-BY)

Friedensbrunnen: ein Brunnen mit langer Wanderschaft

Auch der Friedensbrunnen gehört zur älteren Dresdner Stadtgeschichte. Historische Unterlagen im Stadtarchiv reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück.

Sein Standort und seine Gestaltung veränderten sich mehrfach. Während des Wiederaufbaus der Innenstadt nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auch die Anlage restauriert. Im Zusammenhang mit dem Bau des Kulturpalastes begannen 1967 umfangreiche Arbeiten. Seit 1969 befindet sich der restaurierte Brunnen an seinem heutigen Standort.

Gerade solche Anlagen machen deutlich, dass Dresdner Brunnen keineswegs immer unverändert an derselben Stelle standen. Stadtumbau, Kriegszerstörung und Verkehrsplanung führten wiederholt zu Versetzungen.

Brunnen nach 1945: Verlust, Wiederaufbau und Neuinterpretation

Die Luftangriffe im Februar 1945 veränderten auch die Dresdner Brunnenlandschaft grundlegend. Viele Anlagen wurden beschädigt oder zerstört, andere verschwanden im Zuge der anschließenden Stadtplanung.

Während der DDR-Zeit entstanden gleichzeitig neue Brunnen und Wasserspiele. Sie wurden häufig als Teil größerer Platz- und Wohngebietsgestaltungen geplant.

Typische Beispiele finden sich auf der Prager Straße, in Prohlis oder in anderen nach 1945 neu entwickelten Stadtteilen. Die Kunstwerke sollten öffentliche Räume beleben und waren häufig eng mit der Architektur ihrer Umgebung verbunden.

Nach 1990 begann wiederum eine neue Phase. Historische Anlagen wurden restauriert oder rekonstruiert, während gleichzeitig versucht wurde, wichtige Beispiele der Nachkriegsmoderne zu erhalten.

Dresdens Brunnenlandschaft besteht deshalb heute aus mehreren historischen Schichten.

Mehr als 300 Brunnen und Wasserspiele

Die berühmten Anlagen machen nur einen kleinen Teil des Dresdner Bestandes aus. Nach Angaben der Landeshauptstadt gibt es im gesamten Stadtgebiet mehr als 300 Brunnen und Wasserspiele. Rund 100 davon werden von der Stadt betreut.

Dazu gehören neben den großen Kunstbrunnen beispielsweise:

  • Fontänen,
  • Trinkwasserbrunnen,
  • historische Dorfbrunnen,
  • Schwengelpumpen,
  • moderne Wasserspiele und
  • kleinere Brunnen in Parks und Wohngebieten.

Bekannte Anlagen sind außerdem der Schalenbrunnen am Dippoldiswalder Platz, der Europabrunnen am Königsheimplatz, der Findlingsbrunnen in Altgruna oder der Pusteblumenbrunnen am Albert-Wolf-Platz. Die Stadt führt zahlreiche dieser Anlagen in einer eigenen Übersicht.

Wann sprudeln die Dresdner Brunnen?

Die meisten städtischen Springbrunnen laufen nicht das ganze Jahr.

Die Dresdner Brunnensaison beginnt abhängig von der Witterung normalerweise etwa Mitte April und endet im Oktober. Zuvor müssen Becken gereinigt, Pumpen und Düsen eingebaut sowie technische Anlagen überprüft werden.

Im Winter werden viele Brunnen stillgelegt oder geschützt, damit Frost keine Schäden verursacht.

Wer die Brunnen auf einem Stadtrundgang erleben möchte, sollte deshalb am besten zwischen Frühling und Herbst nach Dresden kommen.

Die schönsten Brunnen auf einem Spaziergang entdecken

Mehrere bedeutende Anlagen lassen sich gut miteinander verbinden.

Eine mögliche Route beginnt am Albertplatz mit „Stilles Wasser“, „Stürmische Wogen“ und dem Artesischen Brunnen. Von dort führt der Weg durch die Neustadt über die Augustusbrücke in Richtung Altstadt.

In der historischen Innenstadt können anschließend der Cholerabrunnen an der Sophienstraße und der Gänsediebbrunnen in der Weißen Gasse besucht werden. Wer weiter Richtung Hauptbahnhof läuft, erreicht schließlich die Wasserspiele und Pusteblumen auf der Prager Straße. Für den Neptunbrunnen in Friedrichstadt sollte dagegen ein eigener Abstecher eingeplant werden.

Brunnen als Spiegel der Dresdner Stadtgeschichte

Besonders interessant ist weniger die Zahl der Anlagen als ihre Vielfalt. An den Brunnen lassen sich mehrere Jahrhunderte Stadtentwicklung ablesen.

Der Neptunbrunnen steht für das repräsentative Dresden des Barock. Der Artesische Brunnen verweist auf die technischen Herausforderungen der Wasserversorgung im 19. Jahrhundert. Cholerabrunnen und Gänsediebbrunnen zeigen die zunehmende Bedeutung von Denkmälern und Kunst im öffentlichen Raum.

„Stilles Wasser“ und „Stürmische Wogen“ dokumentieren wiederum sowohl die Kunst der Gründerzeit als auch die politischen Umbrüche des 20. Jahrhunderts. Die Pusteblumen auf der Prager Straße gehören hingegen zur Gestaltungsidee der sozialistischen Nachkriegsstadt.

Gerade deshalb lohnt sich ein Blick auf die Dresdner Brunnen auch für Besucher, die sich intensiver mit der Stadtgeschichte beschäftigen möchten.

Fazit

Brunnen gehören zu den oft übersehenen Sehenswürdigkeiten Dresdens. Dabei erzählen sie Geschichten von höfischer Repräsentation, technischer Innovation, Epidemien, bürgerlichem Mäzenatentum, Kriegszerstörung und Wiederaufbau.

Von der monumentalen barocken Anlage des Neptunbrunnens über den neugotischen Cholerabrunnen bis zu den Pusteblumen der Prager Straße reicht eine ungewöhnlich große stilistische Bandbreite.

Wer Dresden zu Fuß erkundet, begegnet deshalb fast automatisch einem Stück Stadtgeschichte am Wasser. Und gerade abseits der bekannten Sehenswürdigkeiten lohnt es sich, genauer hinzusehen: Viele kleinere Brunnen in Wohngebieten, Parks und ehemaligen Dorfkernen erzählen ihre ganz eigene Geschichte.

Foto Titelbild: Michael R. Hennig (DML-BY)

Hinweis: Dieser Text wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt und von der Redaktion geprüft.

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