In Sachsen ist die Zahl arbeitsloser Jugendlicher so stark wie seit Jahren nicht mehr gestiegen. Zugleich haben mehr als ein Viertel aller Auszubildenden ihre Lehre vorzeitig abgebrochen. Das hat natürlich oft langfristige Folgen für den weiteren Weg in den Arbeitsmarkt. Das Land muss, wenn man sich die neuesten Zahlen ansieht, auf jeden Fall handeln.

Jugendarbeitslosigkeit wird zu einem immer größer werdenden Problem: Politik und Experten kritisieren Versäumnisse

Die Jugendarbeitslosigkeit in Sachsen hat sich in den letzten Jahren zu einem immer größer werdenden Problem entwickelt. Das zeigt auch die Kleine Anfrage der Grünen im Landtag. Sieht man sich die Angaben der Staatsregierung an, so ist die Zahl der 15- bis unter 25-Jährigen ohne Arbeit seit dem Jahr 2019 von rund 9.500 auf fast 17.000 gestiegen. Für die Grünen ist das ein nicht zu akzeptierender Zustand, der ein „entschlossenes Gegensteuern“ erfordert. Die Abgeordnete Christin Melcher: „Immer mehr Jugendliche in Sachsen sind ohne Job. Doch anstatt die Ursachen zu analysieren und systematisch Gegenmaßnahmen zu ergreifen, schreibt die Staatsregierung lieber Tabellen der Bundesagentur für Arbeit ab“. Die Politikerin ist überzeugt, dass jemand, der 16 oder 17 Jahre alt ist, Orientierung, stabile Begleitung und erreichbare Ausbildungsangebote benötigt, so Melcher weiter.

Stattdessen würde die Regierung in ihrer Antwort auf vermeintliche Defizite der Jugendlichen hinweisen. Laut Melcher würden junge Bewerber mit Formulierungen wie „Leistungsfähigkeit“, „Belastbarkeit“ oder „Basiskenntnissen“ pauschal beschrieben werden - das sei ein Vorgehen, das aus ihrer Sicht keinerlei Lösungsansätze bietet. Das Wirtschaftsministerium hat wiederum auf Beschwerden vieler Betriebe verwiesen, die eine fehlende Ausbildungsreife beklagen.

Demnach seien grundlegende Fähigkeiten und auch die Verlässlichkeit oftmals nicht ausreichend vorhanden, während Jugendliche bestimmte „Wunschberufe“, bevorzugte Arbeitszeiten oder Erwartungen an Einkommen und Perspektiven hätten.

Für die Grünen mag das ein klarer Auftrag sein, dass eine umfassende Strategie zur Stärkung der beruflichen Bildung geschaffen wird, man die Berufsorientierung verbessert und Anreize für Praktika schafft. Zudem müsse man auch den Bereich der Jugend- und Schulsozialarbeit ausbauen.

Wirtschaftliche Unsicherheit trifft vor allem junge Menschen besonders

Die aktuellen Daten der Bundesagentur für Arbeit zeigen auf, wie ernst die Lage wirklich ist. Demnach waren im Jahresdurchschnitt 2024 rund 13.800 junge Menschen in Sachsen arbeitssuchend. Das sind etwa 1.600 mehr als im Jahr zuvor. Im Oktober lag die Zahl sogar bei 15.200, was einem Anstieg von 8,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat entspricht. Damit ist die Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen auf 7,2 Prozent gestiegen und liegt somit deutlich über der allgemeinen Quote von 6,8 Prozent. Laut der Arbeitsagentur sind vor allem junge Menschen ohne Berufsabschluss und Jugendliche mit Migrationshintergrund betroffen.

Die Arbeitsagentur hat jedoch betont, dass trotz der schwierigen Lage eine abgeschlossene Berufsausbildung weiterhin der zentrale Schutz vor Arbeitslosigkeit ist. „Jugendarbeitslosigkeit hat viele Ursachen - am besten verhindert sie Qualifikation“, so Klaus-Peter Hansen, der Chef der Arbeitsagentur in Sachsen. Auch ein schwächelnder Arbeitsmarkt würde nichts daran ändern, dass immer mehr Betriebe weiterhin dringend nach Fachkräften suchen.

Selbstverständlich gibt es einige Branchen, die Mitarbeiter suchen. Etwa im Bereich der Pflege und Gesundheit. Aber auch die neuesten Online Casinos suchen immer wieder Mitarbeiter. So etwa Programmierer oder Dealer für Live Spiele. Auch im handwerklichen Bereich gibt es immer wieder Betriebe, die nach Fachkräften suchen. Das heißt, es gibt Jobs, aber nicht die Mitarbeiter dafür bzw. gibt es Arbeitssuchende, aber diese passen nicht in jene Branchen, die unter einem Fachkräftemangel leiden.

Hansen betonte zudem: „Wir wissen: Jeder junge Mensch wird gebraucht - gerade mit Blick auf die demografische Entwicklung. Viele junge Menschen haben ein Talent - es gilt, dieses zu entdecken, zu fördern und für Betriebe in Sachsen nutzbar zu machen.“

Die Arbeitsagentur hat ein breites Unterstützungsprogramm geschaffen, damit junge Menschen und Betriebe unter anderem bei Berufsberatung, Ausbildungsvermittlung, Qualifizierung und finanzieller Förderung unterstützt werden. Dazu gehören unter anderem ein Zuschuss zu den Lohnnebenkosten, Vorbereitungskurse, Weiterbildung, Fahrtkostenhilfen oder auch Unterstützung während der Ausbildung. Des Weiteren hat die Agentur darauf verwiesen, dass die Jugendarbeitslosigkeit zwischen den Jahren 2008 und 2019 massiv gesunken ist: Waren 2008 noch 31.900 Jugendliche ohne Arbeit, so waren es dann 2019 9.540 Betroffene. Mit Beginn der Pandemie folgte jedoch die Trendumkehr. Inzwischen würde die durchschnittliche Zahl jugendlicher Arbeitsloser wieder bei knapp 15.000 liegen. Auffällig sei zudem, dass zwar mehr als zwei Drittel der arbeitslosen Jugendlichen einen Schulabschluss besitzen, jedoch drei Viertel keine abgeschlossene Ausbildung vorweisen können.

Hohe Abbruchquote in der Ausbildung sorgt für eine verschärfte Lage

Zur steigenden Arbeitslosigkeit stellt auch noch der hohe Anteil vorzeitig gelöster Ausbildungsverträge das Land Sachsen vor ein weiteres strukturelles Problem. Denn die aktuellen Zahlen zeigen, dass jeder vierte Auszubildende seine Lehre abbricht. Besonders alarmierend ist der Umstand, dass ein Drittel dieser Vertragslösungen bereits im ersten Ausbildungsjahr erfolgt.

Nach Angaben der Arbeitsagentur hatten im Jahr 2024 zwei Drittel aller arbeitslosen Jugendlichen zwar einen Schulabschluss, aber drei Viertel keine abgeschlossene Lehre. Sieht man sich den Anteil ausländischer Jugendlicher an, die auf Arbeitssuche sind, so bewegt man sich hier bei 32,1 Prozent und somit deutlich höher als noch vor wenigen Jahren. Im Jahr 2015 waren es 6 Prozent. Die Zahlen spiegeln hier natürlich auch gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen wider, aber auch strukturelle Defizite im Beriech der Begleitung junger Menschen in der Schule, während der Ausbildung oder im Beruf.

Ein klares Warnsignal, dass es so nicht weitergehen kann

Die Zahlen aus Sachsen zeigen letztlich ein deutliches Warnsignal: Es gibt eindeutig zu viele Jugendliche, die auf dem Weg in den Arbeitsmarkt den Anschluss verlieren. Derzeit greifen die politischen Maßnahmen aber auch nicht, sodass es gar nicht erst besser werden kann. Ein entschlossenes Handeln könnte die Situation verbessern - wenn es jedoch so weitergeht, also keine Maßnahmen funktionieren, so könnte das fatale Folgen für Sachsen haben.

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